Kirchenumbau : Die Orgelempore wird zur Spielzone

Pfarrer Peter Wohs (links) und Architekt Karsten Kammer sind mit den Baufortschritten in und an der ehemaligen St. Bartholomäuskirche zufrieden. Die Fassade des künftigen Kindergartens soll ihren einstigen roten Klinkerlook nach dem Ausbau zurückerhalten.
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Pfarrer Peter Wohs (links) und Architekt Karsten Kammer sind mit den Baufortschritten in und an der ehemaligen St. Bartholomäuskirche zufrieden. Die Fassade des künftigen Kindergartens soll ihren einstigen roten Klinkerlook nach dem Ausbau zurückerhalten.

In die einstige St. Bartholomäus-Kirche am Wernershagener Weg kehrt im Frühjahr neues Leben ein. Der Umbau zur Kita schreitet zügig voran

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06. Januar 2015, 16:41 Uhr

Die Trauer war groß, als in der St.Bartholomäuskirche im August 2013 der allerletzte Gottesdienst gehalten wurde. Viele Gottesdienstbesucher trieb die Sorge um, was wohl aus dem Haus werden würde, in dem sie über fünf Jahrzehnte lang das Wort Gottes vernommen hatten.

Die Menschen dürfen aufatmen. Der auffällige Rundbau aus den 60er-Jahren bleibt im Prinzip, was er war: ein Ort, an dem Menschen sich geschützt und behütet fühlen dürfen – künftig vorzugsweise eben besonders kleine Menschen: Läuft alles nach Plan, werden im Mai kommenden Jahres die ersten von 60 Jungen und Mädchen in „ihre“ neue Kita St.Bartholomäus einziehen.

Mit viel Gefühl und Gespür hat Architekt Karsten Kammer aus Hamburg in den vergangenen Monaten das profanierte Gotteshaus in einen modernen Kindergarten umgeplant, ohne dabei den besonderen Charakter der einstigen Rundkirche zu zerstören. Das komplette Gebäude hat in den vergangenen Wochen zwar eine Rundum-Dämmung erhalten, die Fassade soll aber bis zur Einweihung der Kita ihren typischen Klinkerlook zurückbekommen. Auch die einstige Kirchentür mit der kupfernen Jesusfigur will Kammer in der Schlussphase wieder einbauen lassen.

Einzige Veränderung im äußeren Erscheinungsbild: Statt nur einer oberen Fensterreihe, gibt es jetzt zwei übereinander angeordnete Fensterreihen. Das dunkle Buntglas wurde durch normale jetzt aber bis zum Boden reichende Wärmeschutzscheiben ausgetauscht – mit gewaltigen Effekten für die Lichtausbeute im Inneren. Wer den eher in tragenden Farben gehaltenen einstigen Kirchenraum kennt, wird vom Naturlicht überrascht sein, das beim Betreten der künftigen Kita auf ihn herab scheint.

Hinter dem Eingang öffnet sich der Weg zu einem kreisrunden Atrium, das über zwei Geschosse reicht. Davon abgehend hat Kammer im Erdgeschoss drei Gruppenräume samt zugehörigen Sanitärräumen für die kleinen Kita-Gänger angeordnet. Eine – noch einzubauende – leicht geschwungene Treppe führt später hinauf auf die Empore, eine gut 100 Quadratmeter große offene Fläche, die künftig als witterungsunabhängiger Innenhof von den Kindern und ihren Betreuern genutzt werden kann.

Einziger Wermutstropfen: Um jegliche Unfallgefahr zu vermeiden, muss die Brüstung zum Atrium auf 1,80 Meter Höhe gesichert sein. Architekt Karsten Kammer schwebt einen Art Edelstahlnetz vor, das die strengen Sicherheitsauflagen erfüllt, ohne dem Raum seine großzügige Optik und das Licht wieder zu nehmen. Über dem Eingang, etwa in Höhe der einstigen Orgelempore, hat Kammer den vierten Gruppenraum untergebracht. Hier sollen künftig die schon etwas älteren Kinder der Elementargruppe auf das Leben vorbereitet werden.

Ausgefallen und angenehm: In der neuen Kita wird schon aus architektonischen Gründen kaum jemand jemals in der Ecke stehen müssen: Weil sich alle Gruppenräume in dem Rundbau um das kreisrunde Atrium schmiegen, gibt es so gut wie keine geraden Wände.

Eine Ausnahme bilden die Verwaltung und die Sozialräume der Betreuer. Sie wurden bewusst aus dem künftig wohl etwas wuseligen Kita-Zentrum in die ehemalige Sakristei und den Gemeinderaum der Kirche verlegt.

Für Pfarrer Peter Wohs ist die neue Kita dennoch eine durch und durch runde Sache: „Die Entscheidung, die Kirche zur Kita umzubauen, war richtig“, ist Wohs angesichts der Baufortschritte am Wernershagener Weg mehr denn je überzeugt. „Ich bin schon ganz gespannt, wie die Räume angenommen werden“, sagt der Pfarrer und freut sich auf den Tag, an dem in die Kirche endlich wieder neues Leben einkehrt.

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