Besondere Ausstellung : Die NSU-Opfer im Fokus

Sie wollen das Augenmerk auf die Opfer der NSU-Mörder lenken: Nebenklägeranwalt Dr. Björn Elberling (von links), Jonny Griese vom Verein für Toleranz und Zivilcourage und Ole Fendt, Lehrer an der Gemeinschaftsschule Faldera, waren bei der Ausstellungseröffnung dabei.
Sie wollen das Augenmerk auf die Opfer der NSU-Mörder lenken: Nebenklägeranwalt Dr. Björn Elberling (von links), Jonny Griese vom Verein für Toleranz und Zivilcourage und Ole Fendt, Lehrer an der Gemeinschaftsschule Faldera, waren bei der Ausstellungseröffnung dabei.

Der „Verein für Toleranz und Zivilcourage“ hat Ausstellung zur Aufarbeitung der Verbrechen in die Stadt geholt.

shz.de von
06. Februar 2018, 10:00 Uhr

Neumünster | Wenn man an den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) denkt, kommt einem sofort das Bild von Beate Zschäpe in den Sinn, wie sie mit ihrem von dunklem Haar umrahmten Gesicht reglos auf der Anklagebank sitzt und kalt dreinblickt. Aber was ist mit den zehn Ermordeten, was ist mit den Hinterbliebenen und den knapp Überlebenden, an denen sich die Verbrecher schuldig gemacht haben?

Um nicht nur immer die Täter in den Vordergrund zu stellen, sondern den Opfern ein Gesicht zu geben, hat der Neumünsteraner „Verein für Toleranz und Zivilcourage“ die Ausstellung „Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“ nach Neumünster geholt.

„Der NSU-Prozess geht dem Ende zu, die Namen der Opfer fallen selten, ihre Biografien finden kaum Beachtung“, erklärte Ole Fendt. Er ist Lehrer an der Gemeinschaftsschule Faldera an der Franz-Wieman-Straße, wo die Wanderausstellung vom 8. bis 21. Februar zu sehen sein wird. Schulklassen aller Schulen können sie nach Anmeldung besuchen.

Insgesamt gibt es 22 Plakate, auf denen viele der Ermordeten abgebildet sind. Dort wird ein Teil ihrer Lebensgeschichte erzählt, und die Familien berichten, was die Ermordeten noch alles vorhatten. Außerdem schildern die Plakate eine Chronologie der Verbrechen, zu denen auch Banküberfälle und die Bombenanschläge in Köln gehören. In einem eigenen Teil geht es um die Neonaziszene der 1990er-Jahre und die Verbindungen zum NSU. „Der ehemalige Club 88 in Neumünster stand auf der Kontaktliste eines NSU-Mitglieds“, sagte Dr. Björn Elberling. Er ist Rechtsanwalt und vertritt beim Prozess in München einen Nebenkläger.

Am Sonntagabend berichtete er vor Interessierten im Gewerkschaftshaus über die verschleierten Pannen und die nebulöse Rolle des Verfassungsschutzes im NSU-Prozess. Es sei eine „zynische Logik“, mit der der Staat seine Informanten schützen wolle, schilderte der Kieler Jurist. „Einer der ergreifendsten Momente im Gericht war, als die Witwe von Mehmet Kubasik sagte, mit ihrem Mann sei auch ihr Herz begraben worden. Sie bekannte sich eindeutig zu Deutschland als ihrer Heimat und sagte : ‚Ich gehöre zu diesem Land und werde bleiben‘“, berichtete Elberling.

Die Ausstellung geht auch auf die spannende Frage ein, warum die Mordserie in den Jahren 2000 bis 2007 nicht aufgedeckt wurde, und beleuchtet den gesellschaftspolitische Umgang mit dem Komplex.


>Am heutigen Dienstagabend kann die Ausstellung noch im Gewerkschaftshaus an der Carlstraße 7 zwischen 17 und 19 Uhr besucht werden.


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