"Die Menschen wissen, was sie tun können"

Der Runde Tisch reagiert gelassen auf geplante NPD-Kundgebung

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14. Juli 2012, 07:28 Uhr

Neumünster | Die Nadelstiche der NPD pieksen offenbar nur schlecht: Demonstrativ gelassen reagierten gestern Vertreter vom Runden Tisch für Toleranz und Demokratie auf die Ankündigung der NPD, am kommenden Montag ab 16 Uhr vor dem Rathaus eine Kundgebung abzuhalten. Aufrufe zu Gegendemonstrationen gab es nicht.

"Nach den guten Erfahrungen vom 1. und 5. Mai gehen wir davon aus, dass in Neumünster inzwischen jedermann weiß, was er tun kann", sagte gestern Henning Möbius aus der Lenkungsgruppe des Rundes Tisches. Es sei stark anzunehmen, dass es hinreichend Menschen geben werde, die Präsenz gegen die Extremisten zeigen wollten, sagte Möbius.

Ähnlich äußerte sich Neumünsters DGB-Chef Klaus Kasch, der sich vor allem über den Zeitpunkt der NPD-Offensive wundert: Die NPD versuche offenbar die Urlaubszeit zu nutzen, um in Neumünster wieder Fuß zu fassen, sagte Kasch. Das werde ihr allerdings kaum gelingen, meinte der Gewerkschafter überzeugt. Die Neonazis müssten sich auch an einem Montagnachmittag in den Ferien darauf einstellen, "dass sie auf eine Vielzahl von Menschen treffen, die ihnen klarmachen, dass sie unerwünscht sind", hofft Kasch.

Auch Angelika Beer setzt als Gegenreaktion auf die NPD-Veranstaltung offenbar auf das Bürgerengagement jedes Einzelnen: Mit dem Bürgerfest am 1. Mai habe sich in Neumünster eine Tradition gegründet, den Widerwillen gegen rechtsextreme Parolen auch zum Ausdruck zu bringen, sagte sie. Die frühere Grünen-Chefin, die heute für die Piraten im Kieler Landtag sitzt, hatte erst vor drei Wochen gegen einen NPD-Infostand in der Innenstadt protestiert, musste sich dafür aber von der Polizei eine Überprüfung ihrer Personalien gefallen lassen. Am Montag will sie das Geschehen vor dem Rathaus als "parlamentarische Beobachterin" verfolgen, kündigte Angelika Beer an.

Die NPD will im Rahmen ihrer bundesweiten Sommertour "Raus aus dem Euro" in Neumünster Flagge zeigen. Eine Anmeldung zur Kundgebung auf dem südlichen Großflecken genehmigte die Stadt am Freitagvormittag. Es gebe keine Handhabe, den Auftritt zu verbieten, sagte Stadtsprecher Stephan Beitz. Die Stadt verband die Genehmigung jedoch mit Auflagen. So dürfen Musik und Reden über die Lautsprecher den normalen Geschäftsbetrieb nicht stören. Nach einer Stunde muss die NPD ihren Stand wieder einpacken. Die Linkspartei reagierte auf die NPD-Kundgebung mit der Anmeldung für einen Infostand an der Lütjenstraße. Auch dafür gab es von der Stadt grünes Licht.

Die Polizei sieht dem Aufmarsch der NPD ebenfalls gelassen entgegen. Hinweise auf geplante Störungen lägen nicht vor, sagte Polizeisprecher Sönke Hinrichs. Aber: "Wir behalten die Sache im Blick."

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