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Gastspiel des Landestheaters : Die „Lola“ kam ganz gut an

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nur 345 Besucher sahen das Stück im Theater in der Stadthalle - doch die waren nicht unzufrieden.

Neumünster | Das erste Gastspiel des Landestheaters in der neuen Saison begann am Donnerstagabend im Theater mit Film- und Wochenschauausschnitten. Auf dem „Eisernen Vorhang“ erschienen Sequenzen von Bombenangriffen und totaler Zerstörung, von Zusammenbruch und Flüchtlingsströmen, aber auch von Neubeginn, Wiederaufbau und Wirtschaftswunder.

Wenn sich der Vorhang zu der „Kleinbürgertragödie“ von Peter Märthesheimer und Pea Fröhlich nach dem Drehbuch zu Rainer Werner Fassbinders Film „Lola“ (1981) hebt, dann weiß der Zuschauer, dass er sich am Ende der 1950er-Jahre befindet. Schauplatz ist eine bundesdeutsche Kleinstadt, in der die Honoratioren Zuständigkeiten und Pfründe längst unter sich aufgeteilt haben. Die Macht hat Baulöwe Schuckert, der dem Bürgermeister, der Journaille, den Ämtern sagt, wo’s lang geht. Nach seiner Pfeife tanzen auch die Bordellbesitzerin und ihre Mädels – einschließlich Lola, Star des Etablissements und Schuckerts persönlicher Besitz.

Diesem „Macher“ gab Stefan Hufschmidt wohlbeleibte Statur, seine bullerige, oft (zu) laute Stimme und rüde Umgangsformen – alles ein wenig zu dick aufgetragen und eindimensional. Schuckerts Imperium gerät ins Wanken, als der integre Baudezernent von Bohm sein Amt antritt. Doch durch die Bekanntschaft mit der neugierigen, aber auch durchtriebenen Lola geraten sein Leben und seine Prinzipien aus den Fugen. Er, der sich in Lola verliebt, muss erfahren, dass „der, der wirklich liebt, der Unterlegene ist, auf dem mit den Füßen getrampelt wird“ (R. W. Fassbinder). Von Bohm fehlt das Rückgrat zum Widerstand; er arrangiert sich, heiratet Lola. Dennoch wird sie die neue Bordellbesitzerin, Schuckert behält die Oberhand.

Durch seine einfühlsame Interpretation machte René Rollin von Bohm zur zentralen Rolle. Er zeigte einen Mann mit Gefühlen, die keiner ernst nimmt, einen Mann, der an sich und den gesellschaftlichen Umständen leidet, einen traurigen Verlierer. Und Lola? Katrin Schlomm präsentierte eine Frau, die verführen, täuschen und vernichten konnte, die sich im Milieu trotz etwas schmaler Stimme und angestrengter Verruchtheit behaupten konnte und die ihre besten Momente in den ruhigen Szenen mit Rollin hatte.

Das Bordell war der Hauptschauplatz – geschickt auf einem Drehelement platziert, das dem Geschehen einen gewissen Schwung verlieh. Während im ersten Teil die Szenen im Bordell angemessen waren, wurden sie im zweiten Teil zu einer sich (zu oft) wiederholenden Travestie-Show, die der gelungenen Realsatire einen unangemessenen Touch gaben. Schade!

Doch insgesamt konnte man den Ideen und Regieansätzen von Angelika Zacek gut folgen, und der Beifall zeigte, dass die (leider nur 345) Zuschauer mit „Lola“, den Hauptdarstellern und mancher gut gespielter Nebenrolle nicht unzufrieden waren.

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