zur Navigation springen
Holsteinischer Courier

20. August 2017 | 17:40 Uhr

"Lovelocks" : Die Liebesbrücke an der Schwale

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Bäumeschnitzen war gestern, Liebesschlösser sind in Mode – auch in Neumünster. Am Valentinstag wird die Zahl der Schlösser an den Brücken der Stadt wohl noch weiter steigen

Das geritzte Herz in der Baumrinde ist out: Romantische Pärchen aus aller Welt setzen auf Liebesschlösser – auch in Neumünster. Auf einen zentralen Ort für ihre Liebesschwüre haben sich die Verliebten der Stadt aber noch nicht geeinigt. Schlösser finden sich zum Beispiel an der Fischtreppe vor dem Museum Tuch + Technik und an der Bastion am Teich. Die meisten Liebesbeweise hängen an der Schwale-Brücke in Rencks Park. Heute am Valentinstag könnten es noch ein paar mehr werden.

Die Schwale-Brücke hat sich auch Finja Boltze ausgesucht. Zum Valentinstag will die 16-Jährige ihren Freund Niclas überraschen – mit einem roten Schloss, in das ein Herz eingraviert ist. Heute will sie es zusammen mit ihrem Liebsten anbringen. Und warum gerade an der Schwale-Brücke? „Ich fühle mich mit dem Ort verbunden. Ich wohne hier in der Nähe, komme fast jeden Tag vorbei. Mit dem Schloss wird die Brücke zu unserem Platz“, erklärt Finja.

Wie es der Brauch verlangt, werden sie und Niclas den Schlüssel des Schlosses im Anschluss wegwerfen. Denn niemand soll die Schlösser je wieder öffnen können. Sie sollen ewig halten – wie die Liebe ihrer Besitzer.

Den Hintergrund des Rituals erklären Experten so: Das Schloss und der Schlüssel stehen für das Zusammengehören, das zueinander Passen. Die Brücken stellen als Ort des Übergangs die Verbindung zweier bisher einzelner Menschen zu einem gemeinsamen Paar dar.

Die bekannteste Liebesbrücke Deutschlands steht in Köln. Die Hohenzollernbrücke ist inzwischen vielen allein deswegen als Touristenattraktion bekannt. Und sie fördert den Umsatz: Metallwarenhändler passen ihre Schaufenster an, Juweliere werben mit preiswerten Gravuren, es gibt einen Bildband zum Thema und die Band „De Höhner“ hat mit „Schenk mir dein Herz“ ein Lied über die Brücke geschrieben. An der Eisenbahnbrücke sollen inzwischen 40 000 Schlösser hängen. Das macht gut 15 Tonnen Gewicht, schätzt die Deutsche Bahn, der die Brücke gehört. Probleme bei der Statik fürchtet man bisher nicht. „Ach was, das ist wie ein Fliegenschiss“, erklärt ein Sprecher.

Andernorts führen die Liebesschlösser allerdings zu Streit. Der Rost an den Schlössern oder das zusätzliche Gewicht können die Brücken beschädigen. Eigentümer einer Brücke ist meistens die Kommune. Die Stadt Berlin hat Liebesschlösser deshalb verboten. Sie seien vergleichbar mit Graffiti. Paaren droht deswegen ein Verwarnungsgeld von 35 Euro. In Venedig können es sogar bis zu 3000 Euro Bußgeld werden. In Neumünster gibt es solche Pläne aber nicht, sagt Stadtsprecher Stephan Beitz. Bei der bisherigen Menge seien die Liebesschlösser unproblematisch.

Hintergrund: Der Ursprung des Trends

Plötzlich waren sie da, aber niemand weiß genau, wo zuerst. Als wahrscheinlichster Ursprungsort der Liebesschlösser gilt Florenz in Italien. Dort feiern die Studenten der Sanitätsakademie San Giorgio  das Ende ihres Studiums, indem sie ihre Spindschlösser an die Ponte Vecchio klemmen und die Schlüssel in den Fluss werfen. In Norditalien sollen junge Männer so seit den Weltkriegen das Ende ihres Militärdienstes gefeiert haben. Paare in Rom haben die Tradition wohl übernommen. International bekannt wurde der Brauch aber  wahrscheinlich erst nach 2006. Da veröffentlichte Federico Moccia – einer der erfolgreichsten Autoren Italiens – seinen Roman „Ich steh auf Dich“, in dem die Liebesschloss-Szene vorkommt. 

zur Startseite

von
erstellt am 14.Feb.2014 | 07:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen