Goldene Hochzeit : Die Liebe zum Fußball vereint sie

Dieter Hoffmann nimmt seine Ehefrau Waltraud in den Arm und freut sich mit ihr auf das Fest der goldenen Hochzeit.
Dieter Hoffmann nimmt seine Ehefrau Waltraud in den Arm und freut sich mit ihr auf das Fest der goldenen Hochzeit.

Waltraud und Dieter Hoffmann feiern heute ihre goldene Hochzeit. Seit 50 Jahren gehen sie gemeinsam durch alle Höhen und Tiefen.

shz.de von
21. Mai 2015, 11:00 Uhr

Neumünster | Das erste Mal erblickte Dieter Hoffmann seine Auserwählte in einem Tanzlokal. „Das Lokal war in Lübeck, hieß ,Vaterland’ und war ganz bekannt“, erinnert sich der heute 73-Jährige. Er forderte Waltraud Rohlf (heute 77) zum Tanzen auf – und sie ging ihm nicht aus dem Kopf. „Wir haben uns dann geschrieben und wieder getroffen“, sagt sie und lacht. Peu à peu kamen sich die beiden näher, dann stand es fest: Sie wollten für immer zusammen bleiben. Das Versprechen hielt und hält: Heute feiert das Paar aus Ruthenberg seine goldene Hochzeit.

Der gemeinsame Start war nicht leicht, die Zeiten nach dem Krieg waren schwer. Die gebürtige Obernwohlderin (bei Stockelsdorf) und Dieter Hoffmann aus Schlammersdorf (Kreis Segeberg) zogen in eine kleine Ein-Zimmer-Wohnung bei der Baumschule Schneede am Baumschulenweg in Neumünster. 1965 kam Sohn Jens-Olaf zur Welt, 1967 Sohn Heiko, 1971 folgte Tochter Tanja. Dieter Hoffmann hatte in Bad Segeberg Fleischer gelernt, arbeitete in der Fleischerei Valentiner an der Kieler Straße, Ecke Bismarckstraße. „Oma Schneede passte liebevoll auf die Kinder auf“, erinnert sich Waltraud Hoffmann. Ihr Mann krempelte auch nach Feierabend die Ärmel hoch und baute 1965 an der Emil-Köster-Straße mit elf anderen Siedlern Häuser. „Dann wurden Lose gezogen, wer welches Haus bekam“, sagt er. Der Traum vom ersten Eigenheim erfüllte sich.

Dieter Hoffmann arbeitete dann zwei Jahre im Schlachthof in Rendsburg, bevor er zu Nordfleisch in Bad Bramstedt wechselte, wo er 28 Jahre tätig war, auch als leitender Angestellter. Hoffmann: „Das war eine gute Zeit.“ 1987 musste das Paar einen Schicksalsschlag verkraften: Ihr Sohn Jens-Olaf verunglückte tödlich bei einem Unfall. Doch die Familie und ein gemeinsames Hobby hielten die zwei auf Trab – sie sind beide von Anfang an VfR-Fans. Zehn Jahre lang spielte Dieter Hoffmann selbst aktiv als „Stopper“, fünf Jahre in der dritten Mannschaft, fünf Jahre in der Kreisliga. „In der Schulzeit spielte ich Handball, kam erst mit 18 zum Fußball“, erinnert er sich. 15 Jahre lang betreute Dieter Hoffmann die A-Jugend, reiste als Betreuer mit seiner Mannschaft im ganzen Land umher zu Aufstiegsspielen. Seine Frau war immer mit dabei – und der sprichwörtliche bunte Hund. Gemeint ist Bassett Paul („unser Hush-Puppy“). Der HSV-Fan lernte auch Uwe Seeler kennen und verfolgt auch heute noch Fußball im Fernsehen: „Das ist der beste Sport, der am meisten bewegt.“

Das Paar ging gemeinsam durch dick und dünn. 1997 machte sich Dieter Hoffmann mit einer Fleischerei in Einfeld selbstständig. „Unsere beiden Kinder haben auch Fleischer gelernt, ich wollte ihnen ein Geschäft übergeben“, sagt er. Doch dann kam der Rinderwahnsinn, der Markt brach zusammen, er musste aufgeben.

Nach zwei Herzinfarkten fällt ihm das Gehen heute zwar schwer, aber beide sind noch geistig fit – und schauen sich auch nach 50 Jahren fröhlich in die Augen. „Man muss sich manchmal zusammenreißen und auch zusammenraufen“, sagen sie auf die Frage, wie eine Ehe so lange hält. „Wichtig ist eine gewisse Toleranz und gegenseitiger Respekt. Es ist nie ein Schimpfwort gefallen, auch wenn wir uns mal gestritten haben“, sagt Dieter Hoffmann.

Die Enkel Marwin (17), Marco (14) und Max-Lasse (12) kommen gerne bei Oma und Opa vorbei. Die Liebe zum Fußball hat Dieter Hoffmann an Max-Lasse weitergegeben: „Der ist Torwart in der D-Jugend.“ 2012 zog das Paar an die Noldestraße, um in einer seniorengerechten Wohnung zu leben. Manchmal trifft Dieter Hoffmann alte Fußball-Bekannte: „Die sagen dann lachend: ,Wenn ich dich sehe, schmerzt mich in der Erinnerung mein Schienbein’.“


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