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Holsteinischer Courier

23. August 2017 | 03:28 Uhr

Die letzten Stunden des Weberhauses

vom

Stück für Stück nimmt ein Abbruchunternehmen die Traditionsgaststätte am Schleusberg auseinander / Nächste Woche kommt der Bagger

Neumünster | Ein Stück Stadtgeschichte verschwindet: Am Schleusberg hat gestern der Abbruch der Traditionsgaststätte Weberhaus begonnen. Voraussichtlich am nächsten Dienstag rücken die Abrissbagger an.

Bis dahin gibt es im Gebäude allerdings noch einiges zu tun: Thomas Kähler, Ibrahim Acar und Christian Methner - Mitarbeiter der Abbruchfirma Boysen - waren gestern den ganzen Tag über damit beschäftigt, das geräumte Gebäude zu entkernen. Gleich containerweise sammelte sich vor allem Holz auf dem gesperrten Hinterhof: Fensterrahmen, Fußleisten, Dielenbretter, Türrahmen sowie Wandverkleidungen und Dämmplatten aller Art - alles muss raus. "Wir versuchen, möglichst sortenrein zu räumen", erklärte Rolf Boysen, Seniorchef der in ganz Norddeutschland aktiven Abbruchspezialisten. Das Holz wird geschreddert und und zur Verbrennung in den Osten transportiert. Paradoxerweise kann es in der heimischen Verbrennungsanlage (TEV) der Stadtwerke nicht verwertetet werden - angeblich wegen zu großer Hitzeentwicklung.

Voraussichtlich noch vor dem Wochenende soll das Weberhaus sein Eternitdach verlieren. Auch dabei ist Vorsicht geboten. Noch wissen die Abbruchexperten nicht, ob die Platten tatsächlich wie vermutet schadstofffrei sind. Eine Materialprüfung bei Nutech am Ilsahl soll Aufschluss geben. Falls die Platten belastet sind, landen sie in großen Tüten verpackt auf einer Sonderdeponie, falls nicht, finden sie sich möglicherweise schon bald bei einem Gärtner oder als Beetbegrenzung in einem Schrebergarten wieder.

Auch der Schankraum und der Saal der Gaststätte sind bereits entkernt. Kähler und seine Kollegen haben die Decke im Saal soweit abgeräumt, dass sie bei Bedarf mit der Motorsäge von der Außenwand getrennt werden kann. Das soll sicherstellen, dass die Wand nach innen kippt, wenn der Bagger ansetzt - und nicht das Nachbarhaus beschädigen kann. "Auch beim Abbruch muss man schon ein wenig den Kopf benutzen, um keinen Schaden anzurichten", sagt Rolf Boysen.

Aber eine besondere Herausforderung ist das rund 100 Jahre alte Gebäude am Schleusberg für seine Firma nicht. Das Unternehmen mit derzeit 22 Mitarbeitern hat schon Industriebauten mit 100 000 Kubikmetern umbautem Raum in seine Bestandteile zerlegt. Zum Vergleich: Beim Weberhaus sind es etwa 2000 Kubikmeter.

Metalle und Kabel werden nicht vorab aussortiert, denn ein Magnetband fischt die Wertstoffe später aus dem gebrochenen Gestein. Der Bauschutt selbst wird in drei verschiedenen Körnungen von 10 bis 56 Millimeter zerrieben. Möglicherweise findet er sich irgendwann als Tragschicht unter einer neuen Straße der Stadt wieder.

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erstellt am 02.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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