zur Navigation springen

Haderslebener Strasse : Die letzte Siedlerin räumt ihr Haus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Seit 1952 lebt Ingrid Schröder in ihrem Elternhaus in der Siedlung an der Haderslebener Straße – jetzt zieht sie als letzte der alten Bewohner aus.

Neumünster | Wenn Ingrid Schröder den Blick durch die Räume ihres Hauses schweifen lässt, ist die Wehmut deutlich erkennbar. Sie ist die letzte Bewohnerin der alten Siedlung an der Haderslebener Straße. Alle anderen damaligen Nachbarn sind verstorben, die Kinder weggezogen. „Ich bin die Letzte, und jetzt gehe ich auch“, sagt Ingrid Schröder traurig. Zu den neuen Bewohnern hat sie bis auf wenige Ausnahmen keinen Kontakt mehr. In ein paar Wochen zieht die 73-Jährige nach über 60 Jahren aus und in eine kleine Wohnung an der Lindenstraße.

Geboren wurde sie als Ingrid Dubbins 1941 in Memel in Ostpreußen. Als 1945 der Krieg endete, zog ihre Familie nach Wiemersdorf im Kreis Segeberg. „Mein Vater hat bei einem Bauern gearbeitet und dann erfahren, dass in Neumünster Bauland zur Verfügung steht“, sagt sie. Der Bauer war es auch, der 1952 das nötige Startkapital für das geplante Eigenheim zur Verfügung stellte. „400 Mark mussten bezahlt werden, um an der Haderslebener Straße bauen zu dürfen. Mein Vater hat sehr viel selbst gemacht, vom Einbau der Fenster bis zum Zimmern der Möbel“, erinnert sie sich.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihr der Zusammenhalt in der Siedlung, zu der auch Siedlerfreunde an der Apenrader und Sonderburger Straße gehörten. „Wir waren wie eine große Familie und haben viel zusammen gefeiert, beispielsweise beim Vogelschießen.“

Als Ingrid Schröder 1964 heiratete, zog sie nach Wasbek-Bullenbek und lebte später viele Jahre in Kiel-Schilksee. Doch die Sehnsucht nach ihrem Elternhaus ließ sie nie los. Vor 20 Jahren zog sie wieder zurück. „Meine Mutter wohnte immer noch hier. Ich habe sie bis zu ihrem Tod gepflegt“, sagt sie.

Jetzt steht für die Seniorin ein erneuter Umzug an. „Meine Söhne haben immer wieder gesagt, dass das Haus eine Stolperfalle ist. Daher ziehe ich jetzt in eine Zwei-Zimmer-Wohnung“, sagt sie. Das Haus an der Haderslebener Straße ist bereits verkauft. Bis zum 30. September muss Ingrid Schröder die letzten Möbel und Kisten ausgeräumt haben. Wenn sie an diesen Moment denkt, kommt Wehmut auf: „Es sind eine Menge Erinnerungen, die man zurücklässt.“

Ihren neuen Start betrachtet sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Ich habe das Haus von Anfang an geliebt. Aber in der neuen Wohnung habe ich einen schönen Balkon, darauf freue ich mich sehr.“

 

 

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 02.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen