Peter Tschaikowsky : Die Lebensgeschichte eines ewigen Zweiflers

Der Politikwissenschaftler Prof. Ulrich Matthée sprach über Peter Tschaikowsky.
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Der Politikwissenschaftler Prof. Ulrich Matthée sprach über Peter Tschaikowsky.

Professor Dr. Dr. Ulrich Matthée hielt einen Vortrag zum Thema „Peter Tschaikowsky – Genie und Wahnsinn“.

shz.de von
25. Juli 2015, 08:00 Uhr

Neumünster | Mit dem russischen Komponisten Pjotr Iljitsch (Peter) Tschaikowsky als Schwerpunkt des Schleswig-Holstein Musik-Festivals steht ein Künstler im Mittelpunkt, der mit Kompositionen wie dem 1. Klavierkonzert, der 6. Sinfonie „Phatetique“, dem Ballett „Schwanensee“ oder der Oper „Eugen Onegin“ weltweite Erfolge erzielte.

Dem trug der Neumünsteraner Festival-Beirat Rechnung. Am Donnerstagabend referierte der emeritierte Politikwissenschaftler und Osteuropa-Kenner Professor Dr. Dr. Ulrich Matthée zum Thema „Peter Tschaikowsky – Genie und Wahnsinn“ in der Stadtbücherei.

Vor 100 Besuchern zeichnete Matthée ein Bild von Tschaikowsky als „ständigem Grübler, einem ewigen Zweifler“ an den eigenen Fähigkeiten, der von „neurotischer Unrast“ getrieben wurde, wie Klaus Mann sagte. Matthée versäumte es nicht, Tschaikowsky in den europäischen politischen Kontext der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einzuordnen. So galt er in Russland als „Importeur westlichen Geschmacks“, weil er von Mendelssohn-Bartholdys Romantik inspiriert war. Ihm standen Komponisten wie Mussorgski oder Rimski-Korsakow gegenüber, die im Geiste des Panslawismus’ ausschließlich auf die russische Volksmusik setzten.

Tschaikowskys Lebensweg hingegen war von zahlreichen Brüchen, Niederlagen und rauschenden Erfolgen gekennzeichnet. In einer wohlhabenden Familie 1840 geboren, studierte er Juristerei und ging in den ungeliebten Staatsdienst. Dort hielt er es nur zwei Jahre aus. Seinen Wechsel zur Musik kommentierte ein Onkel so: „Nun hat er die Jurisprudenz mit dem Dudelsack getauscht.“

Er studierte und lehrte ab 1862 am Petersburger Konservatorium, das Nikolai Rubinstein leitete, der für ihn ein väterlicher Freund wurde – auch wenn der sein 1. Klavierkonzert „als völlig unspielbar“ zurückwies. Ebenso zerriss das Publikum seine Ballettmusik zu Schwanensee. Sie wurde erst nach seinem Tod erneut aufgeführt.

Matthée fand herrliche Beispiele dafür, wie der kritikempfindliche Russe, der selbst zwei seiner Opern vernichtete, Kritik austeilte. So habe er nach einem Besuch in Bayreuth sein Missfallen über Wagner ausgedrückt: „Früher hat man die Leute mit Musik erfreut, heute quält man sie damit.“

Ab 1877 gab es einen Bruch in seiner Biografie. Tschaikowsky tauchte mehrere Jahre förmlich unter. Als Homosexueller wurde er zum Außenseiter. Nur durch eine Rente der reichen Witwe Nadeshda von Meck überlebte er. Mit nur 43 Jahren starb Tschaikowsky. Über seine Todesursache gibt es zahlreiche Spekulationen. Er ruht neben seinen russischen Musikerkollegen auf dem Friedhof des Alexander-Newski-Klosters in St. Petersburg.


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