Mörel/Aukrug : Die Landfrauen haben Zukunft

Zwei Landfrauen, zwei Generationen: Gesche Zielke (51) und ihre Tochter Tale (22) sind im Landfrauenverein Aukrug und tragen das Tuch der fleißigen Bienen.
Zwei Landfrauen, zwei Generationen: Gesche Zielke (51) und ihre Tochter Tale (22) sind im Landfrauenverein Aukrug und tragen das Tuch der fleißigen Bienen.

Gesche Zielke (51) und ihre Tochter Tale (22) sind Mitglied im Landfrauenverein Aukrug. Für sie ist der Verein mehr als Kaffeekochen und Kuchenbacken.

von
14. August 2018, 15:10 Uhr

Mörel | Sie ist Gärtnerin, Umwelttechnikerin und Erzieherin – und Gesche Zielke ist in zweierlei Hinsicht Landfrau: Die 51-Jährige wohnt auf dem Lande, erst im Bökerfeld in Aukrug, seit diesem Jahr in Mörel und ist im Landfrauenverein Aukrug. Die alleinerziehende Mutter von vier Töchtern lebt mit Tale (22) und ihren Pflegetöchtern Lara (17) und Laura (12) sowie Jack-Russell-Terrier Carlo und Katze Hermine zusammen. Pflegetochter Annika (24) ist aus dem Haus. Tale ist gerade in den Landfrauenverein eingetreten und mit Abstand das jüngste Mitglied. Courier-Redakteurin Susanne Otto spricht mit Mutter und Tochter über den Landfrauenverein, seine Bedeutung und Zukunft.

Seit wann sind Sie im Landfrauenverein Aukrug und warum sind Sie eingetreten?
2014 bin ich Mitglied geworden. Ich komme ursprünglich aus der Geesthachter Ecke (und aus der Segeberger Ecke) und bin nach Aukrug gezogen. Meine Nachbarin Anneliese ist bei den Landfrauen, ich bin mit ihr gekommen und eingetreten, auch um Kontakt in der neuen Gemeinde zu bekommen. Die Landfrauen sind unkompliziert.

Ist der Landfrauenverein noch zeitgemäß?
Es ist zu einfach zu sagen, die Landfrauen seien nicht mehr zeitgemäß. Das stimmt auch nicht. Landfrauen verkaufen nicht nur Kaffee und selbstgebackenen Kuchen. Die Angebote mit Vorträgen, Weiterbildung, Reisen und Klönabenden sind gut. Ich glaube aber, dass es für viele Frauen ein Problem ist, die Termine mit Berufstätigkeit und Familie zu vereinbaren. Da ist oftmals abends einfach die Luft raus. Ich schätze in erster Linie die Gemeinschaft. Landfrauen unterstützen auch, ohne extra gerufen zu werden.

Warum fehlen den Landfrauenvereinen oftmals junge Frauen?
Ich glaube wirklich, dass das ein zeitliches Problem ist. Und ich meine auch, dass unterschätzt wird, wie
wichtig Vereine für die Gesellschaft sind. Sie können auch Familienersatz sein, und man kann neue Freundschaften schließen. Fernsehen und Handy transportieren nicht das Willkommensein.

Tale, Sie sind 22 Jahre alt und auch bei den Landfrauen. Was reizt Sie, dort mitzumachen?
Schon als meine Mutter eintrat, konnte ich mir das für mich vorstellen. Jetzt habe ich meine Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistentin abgeschlossen und will an der Fachhochschule Kiel Soziale Arbeit studieren. Ich bleibe zu Hause wohnen und bin gerade beim Landfrauenverein eingetreten. Ich glaube, dass da ganz viel Erfahrung liegt und dass ich in der Gemeinschaft ganz viel lernen kann. Ich habe gerne Anteil an der Erfahrung. Meine eigene Generation beurteile ich eher negativ. Viele sind ganz schön abhängig von den Medien, hinterfragen nichts und bleiben hinter ihren Möglichkeiten. Ich möchte auch andere junge Frauen inspirieren, zu den Landfrauen zu gehen.

Was wünschen Sie sich als neue Angebote bei den Landfrauen?
Ich spiele gerne; eine Doppelkopfrunde wäre mal etwas. Eine Schreibwerkstatt finde ich sinnvoll, da schlummern so viele tolle Geschichten, die festgehalten werden können. Ich könnte mir auch vorstellen, dass man schäbige Ecken aufpeppt, zum Beispiel mit Graffiti. Das spricht dann vielleicht auch Jüngere an. Die Landfrauen wollen nicht unter sich bleiben. Es ziehen mehr Menschen aufs Land, da ist Gemeinsamkeit wichtig.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen