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Interview : „Die Kunden sagen uns knallhart die Meinung“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Andreas Fohrmann, Chef der Sparkasse Südholstein, spricht über den Umbau der Sparkasse und die Frage, ob ein Kunde wieder seinen Berater direkt anrufen darf

Neumünster | Andreas Fohrmann (51) ist seit Januar 2014 der neue Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Südholstein. Er kam von der Sparkasse Chemnitz und löste Ralph Schmieder ab. Gleich im ersten Jahr hat Fohrmann das Kreditinstitut ordentlich umgebaut. Gestern stellte er zum ersten Mal eine Bilanz vor, für die er voll verantwortlich ist. Mit ihm sprach darüber Courier-Redaktionsleiter Thorsten Geil.

Courier: Die Sparkasse Südholstein hat erneut keinen Gewinn ausgewiesen, aber immerhin eine „schwarze Null“. Im operativen Geschäft – also ohne die Sonderbelastungen – haben Sie etwa 20 Millionen Euro verdient. Sind Sie damit zufrieden, Herr Fohrmann?

Andreas Fohrmann: Ja, denn die Sparkasse verdient wieder Geld, und zwar etwa 50 Prozent mehr als 2013. Für das erste Jahr einer Neuausrichtung ist das respektabel, finde ich – zumal es bei diesem Zinsniveau für kein Kreditinstitut leicht ist, Geld zu verdienen.

Aber die Südholstein ist schon noch eine ganze Weile ein Sanierungsfall.

Wir sind die Themen im vergangenen Jahr konsequent angegangen und befinden uns wieder auf dem Weg zu einer „normalen“ Sparkasse. Es wird allerdings noch etwas dauern, bis alles erreicht ist, was wir uns vorgenommen haben. Die Sparkassenorganisation hat uns bei der Kapitalstrukturierung unterstützt. Die großen Brocken sind abgearbeitet. Wir haben mehr Steuern bezahlt als im Vorjahr und damit begonnen, aus eigener Kraft unsere Reserven zu stärken. Wir liegen jetzt bei einer Eigenkapitalquote von 14,7 Prozent. Damit können wir sehr zufrieden sein.
Wie haben Sie das hinbekommen?

Mit der Hilfe der Sparkassen-Familie und dem engagierten Einsatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Darüber hinaus haben wir viele interne Prozesse verschlankt und bei der Organisation der Back-Office-Tätigkeiten erkennbare Fortschritte erzielt, das passt jetzt wieder.

Sie haben auch weiter Personal abgebaut.

Das stimmt nicht ganz. Da wir etwa 80 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen unseres Dienstleisters NRS wieder ins Haus zurückgeholt haben, ist die Zahl mit 1010 Mitarbeitern zunächst wieder etwas angestiegen. Wir haben vorausschauend die Fluktuation und Instrumente wie Altersteilzeit und Aufhebungsverträge genutzt. Auch die neue Rente mit 63 hilft uns in dieser Hinsicht gerade.
Viele Jahre lang hat die Sparkasse Südholstein immer wieder Kunden verloren, weil sie sich nicht mehr gut aufgehoben fühlten. Haben Sie diesen Trend stoppen können?

Erfreulicher Weise ist es uns gelungen, die Zahl unserer Kunden mit rund 270 000 trotz der Zusammenlegung von elf Filialen mit benachbarten Geschäftsstellen zu Beginn 2014 nahezu konstant zu halten. Damit haben wir uns in einem schwierigen Wettbewerbsumfeld gut behautet. Zudem haben wir uns wieder servicefreundlicher aufgestellt. Das bestätigen uns auch die Mitglieder der neuen Kundenbeiräte, die wir gegründet haben. Dort lernen wir übrigens sehr viel, denn wir bitten die Kunden, uns knallhart die Meinung zu sagen und Verbesserungen vorzuschlagen. Und das tun die auch! Ganz ehrlich: Wir stellen definitiv fest, dass das Vertrauen in unser Haus wieder deutlich gestiegen ist.

Und wie sieht es mit der Kundenfreundlichkeit aus?

Wir haben die Erreichbarkeit der Kundenberater für unsere Kunden wieder deutlich verbessert. Jeder Kunde kann seinen Berater direkt anrufen. Und sollte er ihn einmal nicht erreichen, läuft der Anruf in der Kundenbetreuung auf. Hier sitzen qualifizierte Ansprechpartner, die bereits den größten Teil der Fragen beantworten können oder dem Berater eine Nachricht für den Rückruf zukommen lassen.

Wenn sich die Ertragslage und die Eigenkapitalquote wieder steigern, könnte die Sparkasse mit eigenem Geld ja auch wieder mehr Risiko eingehen. Planen Sie das?
Fohrmann: Wenn Sie damit auf riskante Geschäfte ohne realwirtschaftlichen Bezug anspielen – ein klares Nein. Wir legen uns nichts ins Portfolio, was wir nicht selber verstehen.

Für eine große Sparkasse mit sowohl städtischen als auch ländlichen Bereichen gäbe es ja sicher genug andere Möglichkeiten.

So ist es. Unser Feld ist die heimische Wirtschaft. Wir haben 2014 allein 673 Millionen an neuen Krediten ausgegeben, fast 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch damit bringen wir die Verwurzelung in Neumünster und der ganzen Region wieder nach vorn, da bin ich ganz sicher.

A propos Neumünster: Wie schätzen Sie die heimische Wirtschaft ein?

Neumünster ist definitiv auf dem Weg nach vorn. Hier tut sich doch wirklich viel! Auch die Nachfrage nach Immobilien und deren Preise steigen. Und ich glaube zum Beispiel fest daran, dass das ECE-Center die Innenstadt befruchten wird. Generell finde ich: Neumünster hat viel mehr zu bieten, als sein Image verspricht.

Sind Sie denn auch privat schon in Neumünster angekommen?

Ja, fast komplett. Ich wohne noch im Stadtteil Faldera, aber wir haben uns in Einfeld ein Haus gekauft. Mit dem Schuljahreswechsel im Sommer ziehen meine Frau, unsere beiden Jungs und mein Vater dann auch endlich von Dresden hierher. Wir werden dort wieder mit drei Generationen unter einem Dach leben. Darauf freuen wir uns schon.


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erstellt am 01.Apr.2015 | 07:30 Uhr

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