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Die Kumpels vom Einbruch abgeholt - Bewährung

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erstellt am 02.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Neumünster | Das Urteil war kaum gesprochen, als die Kumpels auf den Zuschauerbänken auch schon den Angeklagten umringten und ihn mit Umarmungen und Schulterklopfen zum Urteil gratulierten. Dazu hatten sie guten Grund, war der Angeklagte aus dem Verfahren doch mit dem berühmten blauen Auge davongekommen.

Zu sechs Monaten Haft auf Bewährung hatte das Schöffengericht den 23-Jährigen unmittelbar zuvor verurteilt - wegen Beihilfe zum Wohnungseinbruch. Noch eine gute Stunde vor dem Urteil, das der Angeklagte mit sichtbarer Erleichterung aufnahm, stand immerhin der Vorwurf des schweren Bandendiebstahl und damit ein deutlich höheres Strafmaß im Raum.

Im Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen ließen sich Staatsanwaltschaft und Richter aber offenbar vom Verteidiger des Angeklagten "herunterhandeln". Im Gegenzug legte der Angeklagte ein Geständnis ab, das sein Verteidiger im Gerichtsaal verlas.

Danach hat sein Mandant im vergangenen Sommer zwar an einem Wohnungseinbruch als Tippgeber und Fahrer mitgewirkt, war aber nicht unmittelbar mit in die Wohnung eingestiegen. Offenbar eher per Zufall hatte er durch eine Bekannte erfahren, dass deren Eltern am Abend nicht zuhause sind, das Elternhaus also leer steht. Die wertvolle Information hatte er postwendend an einen Kumpel weitergegeben, der sich kurz darauf mit zwei Komplizen zur angegebenen Adresse aufmachte. Die Einbrecher drangen über ein Wohnzimmerfenster in das Haus ein und ließen unter anderem mehrere Schmuckstücke, einen Laptop, Handy eine eine Spielkonsole mitgehen.

Der Angeklagte war dann in der Nacht selbst zum Tatort gefahren, um dort seine Kumpel abzuholen - oder wie er es formulierte "einzusammeln". Pech auch für ihn: Noch am selben Abend stellte die Polizei die Bande samt Diebesgut. Das Gericht wertete den Chauffeur-Dienst zugunsten des Angeklagten jedoch nicht als unmittelbare Tatbeteiligung, sondern lediglich als Beihilfe zum Einbruch. Da der Mann ausschließlich in diesem Fall in Erscheinung getreten war, ließ sich auch der Verdacht nicht erhärten, er sei festes Mitglied der Bande. Sie wird in wechselnder Besetzung für eine ganze Reihe ähnlicher Einbrüche verantwortlich gemacht.

Strafmildernd wertete das Gericht das Geständnis des Mannes, außerdem rechnete es ihm sechs Monate Untersuchungshaft an, die er bereits abgesessen hat. Auch dass der junge Rendsburger ohne Berufsabschluss jetzt beste Aussichten auf eine Festanstellung als Steinsetzer hat, dürfte die Richter gnädig gestimmt haben.

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