zur Navigation springen
Holsteinischer Courier

17. Oktober 2017 | 06:59 Uhr

Boostedt : Die Kröten wandern in den Tod

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Michael Neumann möchte die Amphibien retten und sucht Mitstreiter. Täglich sammelt er Tiere von der Straße.

Boostedt | Michael Neumann (66) aus Boostedt hat ein Herz für Kröten. Doch die Amphibien haben es auf ihrer Wanderung schwer. Deshalb will er jetzt etwas unternehmen, damit nicht so viele Tiere auf ihrem Weg überfahren werden.

Michael Neumann wohnt am Voßbarg und geht jede Nacht für die letzte Gassirunde mit seiner Hündin Mascha am Waldweg entlang. „An einem Abend fand ich dort etwa 20 überfahrene Kröten“, sagt der Rentner. Ihn bekümmern die toten Tiere, und er sorgt sich um die Kröten, die sich in den kommenden Tagen und Wochen in der Dämmerung vom Waldrand des Staatsforstes Neumünster auf die gegenüberliegende Seite zu ihren Laichplätzen aufmachen. Deshalb nimmt der ehemalige Autoverkäufer bei seinen Hunderunden nun immer einen Handschuh mit, um die Amphibien bei ihrer gefährlichen Wanderung über die Straße zu retten.

„Ich will den Kreaturen helfen, weil die sonst keine Chance haben“, erklärt er. Doch diese Aufgabe ist kaum allein zu bewältigen. Darum will Michael Neumann jetzt die Nachbarn motivieren, gemeinsam mit ihm für die Tiere einzutreten: „Ich möchte zu einer Initiative aufrufen, gemeinsam mit den Anwohnern einen Zaun oder etwas Ähnliches aufzubauen. Wichtig ist mir allerdings
das Mitwirken der Gemeinde.“ Es gab bereits ein Gespräch mit Bürgermeister Hartmut König.

Auf Nachfrage erklärte der Bürgermeister, dass die Gemeinde während der Wanderzeit der Kröten quasi als Hüpfhilfe für die Tiere an die hohe Bordsteinkante im Abstand von einigen Metern Bretter auslegt. Gleichzeitig betonte König die Eigenverantwortung der Bürger: „Wir sind ein ehrenamtlich geführter Ort. Jeder – so mache ich das auch – kann helfen, indem er aus seinem Wagen steigt und die Tiere hinüber trägt. Ich würde auch veranlassen, dass Baken aufgestellt werden.“ Diese müssten dann allerdings in Eigenregie der Anwohner mit Einsatz der Dämmerung auf den Waldweg geschoben und morgens wieder beiseite gerückt werden.

Nach diesem Prinzip haben die Boostedterin Dörte Tidow und ihre Mitstreiter in den vergangenen zwölf Jahren schon etlichen Kröten das Leben gerettet. „Als ich damals beim Joggen 120 tote Kröten gesehen habe, ist mir die Idee gekommen. Aber leider kümmern sich viel zu wenige Autofahrer um die halbseitige Sperrung. Mittlerweile gibt es aber längst nicht mehr so viele Kröten“, erzählt sie. Das liege daran, dass die Tiere ihre Eier immer am Geburtsort ablegen wollen, auf ihrem Weg dahin aber oft überfahren werden. Außerdem befinden sich die „Kinderstuben“ der Boostedter Erdkröten auf Privatgrundstücken, die teilweise von hohen Mauern umschlossen sind.

„Die Tümpelbesitzer müssen mitmachen“, meint Dörte Tidow. Sie hat vor zwei Jahren aufgrund ihres fortgeschritten Alters – sie ist über 70 – und aus Resignation aufgehört, die Baken aufzustellen, sei aber nach wie vor offen für Ideen.

Michael Neumann wird auf jeden Fall weiterhin zur Krötenrettung in der Gemeinde antreten und hofft auf die Unterstützung der Nachbarn: „Mittlerweile haben sich Helfer gefunden, die auch bereit wären, die Baken zu verschieben. Es gab aber auch Ablehnungen. Ich versuche es weiter“, sagt Neumann.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen