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Heimatbund-Vortrag : Die Knicks im Land verschwinden

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

80 Besucher folgten der Einladung des Heimatbundes und hörten den Vortrag über den Wandel der Kulturlandschaft

Neumünster | Für großen Andrang sorgte am Montagabend der Vortrag von Professor Dr. Holger Gerth in der Galerie der Stadthalle. 80 Besucher folgten der Einladung des Ortsvereins des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes zur zweiten Veranstaltung in diesem Jahr. Angesichts der vielen Zuhörer konnte sich der Vorsitzende Jens Kay freuen: „Offenbar liegen wir richtig mit der Wahl des Themas.“

Der Landesnaturschutzbeauftragte Holger Gerth gab viele interessante Ansätze zum Thema „Kulturlandschaftswandel in Schleswig-Holstein“ und mahnte vorweg: „Wir leihen die Erde von unseren Kindern und Enkelkindern.“ Als eine erhebliche Form des Landschaftswandels erläuterte der Agrarwissenschaftler mit Hilfe von Bildprojektionen den Wandel in der Knicklandschaft. Ende des 18. Jahrhunderts markierte die „Einfriedigung der Ländereien“ – so der Titel eines Buches aus der Zeit – einen großen Einschnitt in den landschaftlichen Wandel. Neben Parzellierung und Schattenspende dienten lebendige Zäune aus Dornen auch gleich dazu, Weidetiere auf ihrer Fläche zu halten. Gab es vor knapp 150 Jahren noch 143 laufende Meter Knick pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche, sind es heute nur noch 38 Meter.

Als weitere Ausprägung des Landschaftswandels verwies Holger Gerth auf die vielen Maisfelder von heute. Ein großer Vorteil des in den Sechziger Jahren populär gewordenen Futtermais’ liegt in seiner Toleranz von Trockenperioden. Außerdem reagiert er unempfindlich auf Überdüngung, was Bauern oft zu großzügiger Düngung veranlasst. Die wirkt sich allerdings mit erhöhten Nitratwerten ungünstig auf das Grundwasser auf. Selbst den Tourismus beeinflusse der extensive Maisanbau, so Gerth. Denn der Mais für Biogasanlagen wachse über drei Meter hoch, und Touristen erwarteten von Schleswig-Holstein mehr als Maisfelder.

Aber auch Erfreuliches hatte der Referent in petto: So gibt es wieder mehr Seeadler und Uhus, Kraniche, Otter und das Jakobskreuzkraut. Dem insbesondere von Pferdehaltern wegen seiner leberschädigenden Eigenschaften gefürchteten Kraut sei es zu verdanken, dass der Blutbär, ein Schmetterling, wieder vermehrt zu finden sei. Wer seine Wiese von den gelben Korbblütlern frei halten wolle, sollte übrigens die richtige Zeit zum Mähen abpassen, nämlich kurz bevor sich die Saat entwickelt. „Ansonsten wächst es umso kräftiger nach“, sagte Gerth.

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