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Kindertagespflegevater : Die Kleinsten sind seine größte Freude

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Holger Gutschmidt arbeitet als Kindertagespflegevater. Er ist der einzige Mann in Neumünster, der die Aufgabe allein wahrnimmt. Er betreut acht Jungen und Mädchen.

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erstellt am 30.Sep.2014 | 07:30 Uhr

Neumünster | Holger Gutschmidt verfügt über eine Eigenschaft, die am treffendsten mit dem Wort Engelsgeduld zu bezeichnen ist. Um ihn herum flitzen vier Jungen und Mädchen im Alter von ein und zwei Jahren durch die Räume der Kindertagespflegestelle „City Kids“. Während der kleine Enes (2) in das Spiel mit seinem Bagger vertieft ist, verschüttet sein Spielkamerad einen Becher mit Wasser. Enes erschrickt sich, fängt an zu weinen, es wird hektisch. Holger Gutschmidt dagegen bleibt die Ruhe selbst, holt Geschirrtücher, beseitigt das Malheur und tröstet gleichzeitig das aufgelöste Kind.

Der 58-Jährige arbeitet als Kindertagespflegevater. Er ist der einzige Mann in der Stadt, der die Aufgabe allein wahrnimmt. „Es gibt noch vier weitere Männer, die dieser Tätigkeit nachgehen, allerdings arbeiten alle in Kooperation mit einer Frau“, sagt Uta Harder von der Fachberatung Kindertagespflege.

Holger Gutschmidt hat sich mit der Arbeit einen langgehegten Traum erfüllt. „Ich bin mit acht Geschwistern aufgewachsen und hatte schon immer den Wunsch, im Bereich der Kindertagespflege zu arbeiten. Allerdings fehlte mir die entsprechende Schulbildung“, sagt der gebürtige Rendsburger, der früher unter anderem in einem Betonwerk und in der Gastronomie tätig war.

Die Qualifikation für seine neue Aufgabe hat Gutschmidt 2011 in einem 160-stündigen Lehrgang zum Kindertagespflegevater bei der Stadt erworben. „Dort wurden alle erdenklichen Themen behandelt, angefangen von Kindererziehung über den Umgang mit Gefahrenquellen bis zur Prävention von sexuellem Missbrauch“, erzählt Gutschmidt, der seit 2006 ehrenamtlich für den Kinderschutzbund tätig ist und dort unter anderem als Familienhelfer im Einsatz ist. 2012 erwarb er auf freiwilliger Basis die Zusatzqualifikation „Fachkraft Frühpädogik U3“.

Seine Laufbahn als Tagesvater begann Gutschmidt 2013 und 2014 mit Urlaubsvertretungen bei der Stadt und der Kindertagespflege „Villa Räubernest“. Der Wunsch, eine eigene Tagespflegestelle zu gründen, war jedoch so groß, dass er sich auf die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten begab. Fündig wurde er schließlich am Großflecken 39a. In dem 72 Quadratmeter großen Haus in einem Hinterhof stehen den Kindern seit Juli ein Spielraum, ein gemeinsamer Spiel- und Schlafraum und eine Küche zur Verfügung. Hinter dem Haus befindet sich eine Rasenfläche mit Sandkasten und ein Kaninchengehege. In Kürze soll auch der Wintergarten an die Bedürfnisse der Kleinen angepasst werden.

Fünf Kinder darf Holger Gutschmidt mit seiner Qualifikation gleichzeitig betreuen. Derzeit toben acht Jungen und Mädchen im Alter zwischen 14 Monaten und vier Jahren durch die Räume am Großflecken, vier am Vormittag und vier am Nachmittag. Der Tagesablauf kann variieren, ist aber in seinen Grundsätzen klar definiert. Morgens wird gemeinsam gespielt und gesungen, danach steht ein gesundes Frühstück auf dem Programm. Dann wird erneut gespielt, gebastelt oder getobt. Gutschmidt achtet besonders darauf, dass sich die Kinder viel im Freien bewegen. „Rausgehen ist das Wichtigste. Der Körper braucht viel Bewegung, daher bin ich mit den Kindern sehr oft im Park oder auf dem Spielplatz unterwegs“, sagt der 58-Jährige, der häufig gegen Vorurteile kämpfen muss. „‚Das ist doch kein Männerberuf‘ ist ein Satz, den ich oft höre. Die Leute wissen gar nicht, wie anstrengend diese Aufgabe ist“, sagt Gutschmidt.

Völlig vorurteilsfrei ist Mutter Melanie Wiegandt an das Thema Betreuung herangegangen: „Ich war mit meinem Mann händeringend auf der Suche nach einer Unterbringungsmöglichkeit für unseren Sohn Max. Wir hatten ihn bereits in mehreren Kindertagesstätten angemeldet, aber keinen Platz bekommen. Kurz vor Toresschluss wurde uns Holger Gutschmidt vom Jugendamt empfohlen“, sagt sie.

Die Entscheidung, den zweijährigen Max in die Obhut des Kindertagesspflegevaters zu geben, hat Melanie Wiegandt keine Sekunde bereut. „Mein Mann und ich waren sofort begeistert von Holger. Das Bauchgefühl stimmte und Max fühlt sich hier sehr wohl.“

Vorbehalte hatte die Mutter von Anfang an keine. „Wenn der Papa viel arbeitet, ist es umso wichtiger für Max, einen Mann an seiner Seite zu haben“, sagt sie. Holger Gutschmidt lächelt, als er diese Worte hört. Es ist deutlich spürbar, wie glücklich er ist, seinen Traum verwirklicht zu haben. „Die Aufgabe ist anstrengend, macht aber unglaublich viel Freude. Jetzt bin ich endlich da angelangt, wo ich immer hinwollte.“

In der Kindertagespflegestelle „City Kids“ ist derzeit noch ein Platz für eine Ganztagsbetreuung oder alternativ zwei Plätze für Halbtagsbetreuungen frei. Informationen sind bei Holger Gutschmidt unter Tel. 01 70/3 25 44 29 erhältlich.

 

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