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Kinderferiendorf : „Die Kinder kamen glücklich nach Hause“

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Irma Land (91) erinnert sich an die Zeiten im Kinderferiendorf und in der Kita Schwedenhaus

Neumünster | Unbeschwert toben, laut sein, Fußball spielen, auch im Regen nach draußen gehen und nass und dreckig werden dürfen: „Wenn die Kinder im Feriendorf waren, kamen sie glücklich und zufrieden wieder“, erinnert sich Irma Land. Die 91-Jährige aus Aukrug-Böken war „Mutter“ für Generationen von Kindern – sie arbeitete 37 Jahre in der Kita Schwedenhaus, die letzten 17 Jahre als Leiterin der Einrichtung, die von schwedischen Hilfsorganisationen für Kinder in der Nachkriegszeit gebaut wurde.

Auch die Kita- und Schulhort-Kinder wurden regelmäßig ins Kinderferiendorf (KFD) geschickt. „Wir waren froh, wenn wir wieder dran waren“, sagt Irma Land. In ihren alten Alben fand sie zwar kein Foto vom KFD, aber sie kann sich noch gut an die Zeiten erinnern. „Wir sind sehr gerne immer dorthin gefahren, die Kinder wurden mit dem Bus abgeholt, und dort haben sie die Freiheit wirklich genossen, sie konnten sich austoben, das war so schön“, sagt die gebürtige Neumünsteranerin, die in der Innenstadt aufwuchs. Sie entschied sich für den Beruf der Kindergärtnerin, und das war für sie eine Berufung: „Schon als Mädchen habe ich mich gerne mit Kindern beschäftigt.“ Mit 23 Jahren fing sie nach einer Ausbildung im Sudetenland, mühsamer Flucht nach Hause und Abschluss der Ausbildung auf der Theodor-Litt-Schule 1949 zur Eröffnung in der Kita Schwedenhaus an, betreute Hortkinder, aber auch Jugendliche. Bewusst wurden die Kinder in altersgemischten Gruppen betreut: „Das war ein gutes Miteinander. Wir waren Familienersatz für die Kinder. Sie und meine tollen Mitarbeiter – das war meine Familie.“

Im Kinderferiendorf zu sein, war auch für die Kita- und Hortkinder etwas Besonderes: „In den urigen Holzhütten gab es ein gemeinsames Frühstück, und spannend war es vor allem, durch den Wald zu pirschen und die Tiere zu beobachten, die Natur zu erforschen, dem Gezwitscher der Vögel zu lauschen. Das war ein tolles Abenteuer für die Kinder, auch ganz ohne Zwang etwas tun zu können.“ Viele Feste wurden in der Kita Schwedenhaus gefeiert, aber auch eines im Kinderferiendorf, erinnert sich Irma Land. „Die Eltern kamen und sahen das Dorf. Es gab Spiele und Wettkämpfe. Alte Spiele waren zum Beispiel Sackhüpfen, Eierlaufen, Tauspringen, Murmelspiele oder Himmel und Hölle. Bei den Wettkämpfen rannten die Väter mit ihren Sprösslingen in der Schubkarre um die Wette.“

Mit 60 Jahren ging Irma Land in den Ruhestand: „Das war eine wunderschöne Zeit“, sagt sie rückblickend. Noch heute sprechen sie Menschen auf die damalige Zeit an. „Die Kinder haben ihre Kinder in die Kita geschickt, und diese ihre Kinder.“

Das Kinderferiendorf ist für die 91-Jährige ein Teil der Geschichte Neumünsters, der etwas Besonderes und unbedingt erhaltenswert ist. Sie ist sicher: „Das ist ein tolles Erlebnis für die Kinder, von denen sie noch jahrelang zehren.“

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erstellt am 28.Jul.2017 | 09:00 Uhr

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