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Stadtentwicklung : Die Innenstadt verschiebt sich

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Holsten-Galerie wertet den Kuhberg auf und zwingt zum Umdenken auf dem Großflecken. Auch in der Lütjenstraße sinkt das Mietniveau

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erstellt am 13.Jan.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | Neumünster Macht die Holsten-Galerie die Innenstadt platt, oder verleiht der Einkaufstempel dem innerstädtischen Handel neuen Schwung? – Kaum eine Frage der Stadtentwicklung  wurde in den vergangenen Monaten  so intensiv und hitzig diskutiert  – und ist bis heute unbeantwortet.  Immobilienmakler  sehen  jetzt  einen klaren Trend: Die Innenstadt  verlagert sich Richtung Bahnhof,  schwieriger wird es künftig für die Lütjenstraße und den südlichen Großflecken.

„Zurzeit sieht es auf dem Großflecken etwas trostlos aus, viele Ladenmieten entwickeln sich nach unten“, beschreibt Silke Lorenzen, Chefin von Lorenzen + Rogel, die Marktlage.  Vermieter von Ladengeschäften müssten  Abschläge von 10 bis 25 Prozent, im Extremfall bis 30 Prozent verkraften, berichtet  die Expertin,  die für  Immobilienbesitzer aber auch Trost findet:  „Das ist eine Momentaufnahme.“ Der Handel in der Innenstadt sei noch voll dabei, sich neu zu sortieren. „Ich bin davon überzeugt, dass  in den kommenden zwei bis drei Jahren wieder mehr Kaufkraft an den Großflecken zurückkehrt“, wagt Silke Lorenzen als Prognose. Die Holsten-Galerie werde mittelfristig mehr Kaufkraft aus dem Umland nach Neumünster lenken, davon werde zweifelsohne  auch  die Innenstadt als Ganzes profitieren. Klarer Gewinner in der laufenden Umstrukturierung ist für die Fachfrau derzeit allerdings der Kuhberg, der sei „so gut vermietet wie seit Langem nicht mehr“. 

Die Einschätzung teilt Jens-Uwe Bahr, Chef von Bahr Immobilien:  „Alle Nachfrager suchen unbedingt die Nähe zur Holsten-Galerie“, hat der Immobilienmakler in den vergangenen Monaten erfahren. Dementsprechend  herrsche am Kuhberg „so gut wie Vollvermietung“. Die einzigen noch verbliebenen leeren Ladenräume im Eckhaus Kuhberg/ Kieler Straße (ehemals „Jack Wolfskin“) hat Bahr gerade an die Flensburger Optikerkette Hallmann vermittelt. Anfang Februar wollen die Flensburger hier eine Filiale  eröffnen.

Große Probleme sieht Bahr vor allem auf die Lütjenstraße zukommen. Die  Fußgängerstraße, einst eine erste Geschäftsadresse für Neumünsteraner wie  Besucher, drohe durch die  Verschiebung der  Innenstadt in Richtung Bahnhof mehr und mehr ins Hintertreffen zu geraten, mutmaßt der Makler.  Die vermehrten Leerstände in Richtung Kleinflecken seien kein Zufall, glaubt Bahr und benennt   Ursachen: „Die   Verlegung des Wochenmarktes  auf den Großflecken war ein Fehler, ebenso  die  Versuche von Vermietern, den Abwärtstrend  mit Vermietungen an so genannte Billigläden aufzuhalten.“ Das habe  dem Image der Einkaufsstraße eher geschadet, unterstreicht Bahr.

Auch Jürgen Dethlefs  von  Dethlefs-Immobilien  sieht die Zukunft des Großfleckens nicht ganz so positiv wie seine Kollegin Silke Lorenzen: Die Filialen zögen sich hier zurück, der Großflecken  werde sich ein Stück weit neu erfinden müssen, sagt der Makler voraus. Kleine Fachgeschäfte und mehr Gastronomie könnten den Großflecken auch künftig beleben, glaubt Dethlefs, aber: „Die zahlen allerdings  auch weniger Miete als die großen Ketten, die jetzt  lieber unter das Dach der Holsten-Galerie schlüpfen“, vermutet er.

 

STANDPUNKT

Perfekte Runde durch die City

Klar, Immobilienmakler mögen Lagen in der Stadt nicht  unbedingt schlecht reden, schließlich verdienen sie   mit  der  Vermarktung dieser Lagen  ihr Geld. Um so mehr Aufmerksamkeit sollte hervorrufen, wenn sie  ehrlich auf bedenkliche Schieflagen verweisen: Dass zum südlichen Ende der   Lütjenstraße derzeit gleich fünf Geschäfte leer stehen (während sich die von der Holsten-Galerie gerissenen Lücken am Großflecken längst wieder füllen!), sollte Politik und Stadtplanung  doppelt zu denken geben.

 Die Leerstände rücken ein  strategisches Manko wieder in den Fokus, dem in der Debatte um die ersehnte   Anbindung der  Innenstadt an den Kaufkraftmagneten Holsten-Galerie noch zu wenig Bedeutung beigemessen wird: Der Weg der  Galerie-Besucher, die auf ihrem Zug in die Innenstadt weitere Attraktionen suchen, darf nicht in einer Sackgasse enden. Idealerweise muss sich der Bogen fortsetzen von der Lütjenstraße über Kleinflecken bis zurück zur Galerie. Der schick gewordene neue Kleinflecken bietet für das Schlussstück der  perfekten Innenstadtrunde eine gute Basis. Drumherum gibt’s dagegen noch  jede Menge zu tun!

 

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