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Sabine Kaack : Die hohe Kunst des Plattdeutschen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Sabine Kaack las im Energie-Zentrum aus ihrem Buch „Över't Land in Schleswig-Holstein“. Ben Heuer begleitete sie musikalisch.

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2017 | 06:32 Uhr

Neumünster | Autos brauchen kein Benzin, und Niederdeutsch muss nicht platt sein. Das stellten am Wochenende das Energieeffizienz-Zentrum Sheff-Z und der Gast Sabine Kaack eindrucksvoll unter Beweis.

Vier Thementage organisiert das Center in diesem Jahr; die zweite Auflage am Freitag und Sonnabend stand ganz im Zeichen von Elektromobilität. Besucher konnten E-Fahrzeuge und -Fahrräder auf dem Gelände der Holstenhallen Probe fahren. Fachvorträge, wie etwa der Bau einer Ladestation am eigenen Haus oder „Elektromobilität in Schleswig-Holstein – Status Quo und Ausblick“, ergänzten das Programm.

Am Freitagabend stand aber die Literatur im Fokus. Im Thementage-Format „Kultur trifft Literatur“ las die Schauspielerin Sabine Kaack aus ihrem Buch „Över’t Land in Schleswig-Holstein“, einer Sammlung plattdeutscher Gedichte und Erzählungen.

Sabine Kaack will ihr Publikum für den Facettenreichtum der plattdeutschen Sprache begeistern. Das wurde gleich zu Beginn der Veranstaltung deutlich. „Dat du min Leevsten büst“ – vom Volkslied in einen Blues transferiert, von Sabine Kaack gesungen und von Ben Heuer auf der Mundharmonika begleitet, stimmte die 30 Gäste auf einen plattdeutschen Abend abseits derber Witze ein.

„Diese Sprache ist ein riesiger Schatz, den ich mit meinen Auftritten erhalten möchte“, sagte die Nortorferin. „Plattdeutsche Literatur ist hohe Kunst und kein bisschen platt“, ergänzte sie und zitierte zum Beweis stimmungsvolle Gedichte von Herrmann Claudius und Waltrud Bruhn. Da wurde ein Knick zum Synonym für die Vielfalt und Vergänglichkeit des Lebens, da offenbarte sich große Poesie der plattdeutschen Sprache in den Betrachtungen von Waltrud Bruhn. Musikalisch untermalt von den Mundharmonika-Klängen Ben Heuers entfalteten die Texte ihre ganze literarische Wucht.

„Wir sind seit sechs Jahren gemeinsam auf Lesereise und verstehen uns blind“, erzählte Sabine Kaack. „Ich muss Ben nur sagen, dass ich ,Wind‘ brauche, und schon greift er zu einer seiner zahlreichen Mundharmonikas und versetzt mich mit seinen Klängen an die tosende Nordsee“, beschrieb die Schauspielerin die Zusammenarbeit der beiden Künstler.

An der Nordsee ist auch die Geschichte von Hauke Haien beheimatet. Sabine Kaack las eine Episode aus Theodor Storms Novelle „Der Schimmelreiter“ derart eindringlich, dass man sich sofort vornahm, die Geschichte noch einmal in Gänze zu lesen.

Doch natürlich gab es auch fröhliche Geschichten. Sabine Kaack hatte Wort gehalten. Nach zwei intensiven Stunden gab es keinen Zweifel mehr an der großer Bandbreite unserer plattdeutschen Sprache.


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