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Holsten-Galerie : Die Großbaustelle als Foto-Projekt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Daniel Erben, der Enkel des Courier-Fotografen Walter Erben, wird den Bau der Holsten-Galerie umfangreich dokumentieren.

Neumünster | Wenn in diesen Tagen mit dem Abriss des Parkhauses im Sager-Viertel der Bau des ECE-Centers beginnt, wird ein junger Fotograf in der ersten Reihe stehen und den Wandel im Stadtteil kontinuierlich festhalten. Daniel Erben (30) wohnt am Rande der Baustelle, hoch oben im vierten Stock an der Kaiserstraße. Und die Arbeit mit der Kamera  liegt ihm offenbar im Blut, denn sein Großvater war der bekannte Courier-Fotograf Walter Erben.  Auch für ihn stand das Bild vom  Wandel  seiner Stadt stets im Vordergrund.

Gleich drei Projekte hat sich der Enkel für die Bauphase vorgenommen.  „Ich werde einmal pro Woche mit der Kamera  einen Spaziergang durch das Sager-Viertel machen und  aus den immer gleichen Blickwinkeln den Fortschritt  ablichten, damit man einen Vergleich hat“, erklärt er.  Außerdem will er täglich von oben aus der Wohnung fotografieren.   Daniel Erben hat auch bereits eine Kamera installiert und getestet, die alle fünf Sekunden Bilder aus seinem Wohnzimmerfenster macht. „Die sollen dann als Zeitraffer montiert werden. Es geht   mir darum, den Prozess der völligen Umgestaltung des Viertels Schritt für Schritt zu dokumentieren“, begründet der Neumünsteraner sein Engagement mit der Kamera.  Die Ergebnisse wird er „vielleicht vereinzelt auf Facebook“ zeigen, aber das ist noch nicht sicher.

Seit sieben Jahren lebt der Hobby-Fotograf hier und  hat so manche Jugenderinnerung.  „In der Sager-Halle habe ich früher  Partys gefeiert“, erzählt er.  Dem Gesamtprojekt Holsten-Galerie steht er offen gegenüber. „Ich hoffe, dass es die Geschäfte in der Innenstadt nicht leerfegt, sondern die City  belebt. Das muss sich zeigen. Hauptsache, meine Aussicht wird nicht verbaut. Ich brauche den Blick  Richtung St. Vicelin“, sagt der 30-Jährige.

Die Liebe zur Fotografie entdeckte er schon als kleines Kind. „Als ich  fünf Jahre alt war,  hat mir mein Großvater kurz vor seinem Tod mal seine Kamera in die Hand gedrückt“, erzählt Daniel Erben. Das Bild, das der Steppke damals ganz stolz machte, gibt es heute noch. „Ich hatte damals schon eine ganz gute Bildaufteilung. Da hat wohl vom Opa doch was abgefärbt“, meint er  lachend. Die erste eigene Digitalkamera gab es dann mit  13  Jahren. „Schnell war ich auf jeder Feier fürs Fotografieren zuständig“, berichtet er. Wenige Jahre später  zeigte ihm sein Vater seine Spiegelreflexkamera.  „Das typische Klick-Klick dieser Apparate  hat mich so fasziniert, dass ich sofort  auf eine Spiegelreflex gespart habe“, sagt Daniel Erben. Seitdem  hält er immer mehr mit der Kamera fest. Im Freundeskreis wird er unter anderem als Fotograf auf Hochzeitsfeiern geschätzt.

An den Großvater hat er wenig eigene Erinnerungen, dafür starb der im Jahr 1988 einfach zu früh. Doch mit Hilfe seiner Großmutter (88) und des riesigen Bild-Fundus’, den Walter Erben hinterließ,  näherte er sich in den  letzten Jahren dem bekannten Presse-Fotografen und dessen Blick immer mehr an.  Und so hütet er manche Erinnerung  mit Stolz. Fasziniert ist Daniel Erben zum Beispiel von einer Fotomontage, die sein Großvater einmal aus zwei Bildern  anfertigte und die ihn selbst an der Spitze des Rathausturmes hängend zeigt. „Er war seiner Zeit irgendwie voraus und spielte damals schon mit Bildern“, meint der Enkel.  Eine wichtige Erinnerung ist für ihn auch eine Ausgabe des Buches  „Als unser Leben Kleinholz war“ von  Helmut Müller aus dem Jahr 1987, für das Walter Erben einst die Fotos lieferte.  Kurz vor seinem Tod  legte der Courier-Fotograf für seinen kleinen Enkel ein Exemplar mit einer liebevollen Widmung zurück. „Da wusste er wohl schon, dass er nicht mehr viel Zeit hat. So was hält man in Ehren“, sagt Daniel Erben.

Mittlerweile wird er immer häufiger auf den bekannten Großvater angesprochen. Insbesondere bei seiner Arbeitsstelle bei Ford Bischoff, wo der gelernte Mechaniker tätig ist, zeigen Kunden immer wieder auf sein Namensschild und fragen nach dem Verwandtschaftsverhältnis.  „Das liegt an der  Courier-Serie mit den historischen Fotos. Da erinnern sich die Leute. Und ich finde sie auch toll“, sagt der Enkel.

 

 

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erstellt am 04.Feb.2014 | 09:00 Uhr

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