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Holsteinischer Courier

14. Dezember 2017 | 22:39 Uhr

VW-Skandal : Die ganze Kfz-Branche ist in Sorge

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Auch in Neumünster fürchten die Innung, der Kfz-Verband, Händler und Werkstätten die Langzeitfolgen.

von
erstellt am 30.Sep.2015 | 05:00 Uhr

Neumünster | Der VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte ist bei den meisten Autofahrern ein Gesprächsthema. Aber auch in der Innung, beim Verband des Kfz-Gewerbes, bei Händlern und in Werkstätten anderer Marken macht man sich Sorgen um die Langzeitfolgen.

Rolf-Dieter Fröhling, der Präsident des Verbands des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein und ehemaliger Obermeister in Neumünster, möchte allerdings nicht von einem Skandal sprechen. „Wir müssen sachlich erstmal klären: Ist da wirklich manipuliert worden? Da ist viel Viertelwissen mit im Spiel“, sagt Fröhling. Alles müsse auf den Tisch, aber auf der Sachebene. Fröhling: „Wenn die Vorwürfe der Manipulation zutreffen, dann hat das nicht nur für den VW-Konzern Folgen, weil sich der Markt verändern wird. Wir als Handel und Werkstätten, auch freie Werkstätten, sind mittelbar betroffen.“

Hans-Wilhelm Hansen ist seit zwei Jahren Obermeister der Kfz-Innung Kiel-Neumünster, Inhaber einer freien Werkstatt in Kiel und Experte für Diesel-Fahrzeuge. „Ich hoffe nicht, dass andere deutsche Hersteller auch betroffen sind. Das kratzt doch deutlich am Image deutscher Wertarbeit“, sagt Hansen. VW verspreche zwar, das Problem durch eine Softwareanpassung zu lösen, doch Hansen hat Zweifel. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ohne negative Nebenwirkungen und Folgen für Leistung, Beschleunigung, Fahrverhalten und Kraftstoffverbrauch geht. Ob sich die Autofahrer das bieten lassen, muss sich zeigen. Zur Ehrenrettung muss man sagen: Diesel nach Euro-6-Norm sind nach jetzigem Stand nicht betroffen. Zurzeit kann man sich aber auf gar nichts verlassen“, sagt Hansen.

Das meint auch Karl-Heinz Kaack vom Ingenieurbüro Vautec. Die Kfz-Prüfstelle an der Haberstraße macht auch Abgasuntersuchungen. Für Fahrzeuge, die nach dem 1. April 2006 zugelassen sind, ist keine Messung am Auspuff mehr nötig, sofern kein Fehler angezeigt wird, sagt der Diplom-Ingenieur. Bei neuen Fahrzeugen werden die Werte also nur am Computer ausgelesen. „Wenn da manipuliert wird, merken wir das nicht“, sagt Kaack und merkt bitter an: „Es wird nicht bei der Abgasuntersuchung beschissen, sondern bei der Typ-Zulassung.“

Arne Joswig ist Geschäftsführer beim Autohaus Lensch & Bleck an der Altonaer Straße (Opel, Kia, Chevrolet) und in Bad Bramstedt (Ford, Opel). „Jeder Autofahrer redet über das Thema, über VW, weniger über unsere Autos. Da ist alles noch im Unklaren, totale Spekulation“, sagt er und verweist auf die Erklärung von Opel. „Bei General Motors wurde keine Software entwickelt, die Abgaswerte manipuliert. Ford hat sich ähnlich geäußert“, so Joswig. Einbrüche beim Verkauf von Dieselfahrzeugen kann er nicht feststellen. Joswig: „Der September lief super.“

Bei Neumünsters VW-Vertragshändler Schmidt & Hoffmann gibt man sich wortkarg und verweist auf die Pressemitteilungen des VW-Konzerns: „Wir sind in Gesprächen mit dem Hersteller und können diesbezüglich noch nichts sagen.“ 

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