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Sozialausschuss : „Die Flüchtlinge sind hoch motiviert“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Jobcenter zog ein halbes Jahr nach der Zuweisung fester Kontingente für Neumünster eine erste Zwischenbilanz

von
erstellt am 07.Jul.2017 | 08:55 Uhr

Neumünster | Die Integration von Flüchtlingen in die deutsche Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt wird noch ein hartes Stück Arbeit und auch noch dauern. Das Zwischenfazit, das Jobcenter-Chef Thorsten Hippe am Mittwoch im Sozial- und Gesundheitsausschuss zog, ist aber positiv: „Die Motivation der Flüchtlinge ist hoch.“

Seit Jahresbeginn hat auch Neumünster ein Kontingent fest zugewiesener Flüchtlinge. Um sie kümmert sich das Jobcenter. Gab es 2015 erst 90 Leistungsberechtigte aus den klassischen acht Herkunftsländern, waren es 2016 bereits 266 theoretisch erwerbsfähige Flüchtlinge, berichteten Hippe und Valeska Walter, die im Jobcenter mit ihrer Kollegin Claudia Baldeweg für die Integration von Flüchtlingen zuständig ist.

Anfang Juni 2017 betreute das Jobcenter 385 leistungsberechtigte Flüchtlinge im Erwerbsalter, dazu kommen 145 Kinder. Die wenigsten sind zugewiesen, sondern kamen (wie schon 2015 und 2016) durch Familiennachzug oder den Umzug aus anderen Kreisen und Bundesländern.

Erste Priorität bei den Integrationshilfen hat der Erwerb der deutschen Sprache. „Ohne Sprache geht wenig“, sagte Hippe und zeigte die Schwierigkeit auf. 53 Prozent der Flüchtlinge kommen ohne nennenswerte Deutsch-Kenntnisse, 25 Prozent haben Grund-, 22 Prozent erweiterte Kenntnisse. Immerhin: Mit etwa sechs Wochen sei die Wartezeit auf einen Sprachkursus relativ kurz.

Hippe lobte die Zusammenarbeit mit anderen Trägern. Wie ein roter Faden gelte bei allen die Devise: Kein Abschluss ohne Anschluss. Das Jobcenter arbeite mit einer Dolmetscher-Hotline, Awo und Diakonie stehen zusätzlich mit ihren Ämterlotsen direkt im Jobcenter zur Unterstützung bereit. „Damit kommt es so gut wie nie zu Sprachproblemen“, sagte Hippe.

Bisher konnten 160 Integrationskurse abgeschlossen werden, 180 laufen noch. 124 Qualifizierungen wurden von Jobcenter angestoßen. 18 Flüchtlinge fanden seit 2016 den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt. „Wir ernten jetzt nach eineinhalb Jahren die ersten Früchte unserer Arbeit“, sagte Valeska Walter. Sie erwartet steigende Zahlen, die Masse werde aber länger brauchen.

Diakonie-Chef Heinrich Deicke ist Ausschussmitglied und fragte, ob die Integration bei den Zuwanderern aus Osteuropa ebenso gut greife. Thorsten Hippe nannte auch dazu Zahlen. Das Jobcenter betreut auch mehr als 600 erwerbsfähige Leistungsempfänger aus den EU-Ländern Bulgarien und Rumänien. Ein Problem: Es gibt für diese Menschen keinen uneingeschränkten Zugang zu Sprach- und Integrationskursen.

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