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Theater : Die enge Verzahnung von Schein und Sein

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Kieler Komödianten zeigten das Kammerspiel „Acting“

Neumünster | Was ist echt und was ist Täuschung? Das ist die zentrale Frage, die Ivan Dentler und Thomas Bosch in dem Kammerspiel „Acting“ am Donnerstagabend in der Theaterreihe Freiraum-Plattform für junges Theater verhandelten. Etwa 70 Zuschauer saßen dem Konzept der Reihe folgend auf der bestuhlten Bühne des Theaters in der Stadthalle und beobachteten, wie die beiden Schauspieler der Kieler Komödianten auf knapp 20 Quadratmetern die tragikomische Handlung um zwei schauspielende Gefängnisinsassen entfalteten.

„Und? Bist du böse?“ Diese naive Frage stellt der Neuankömmling Robert (Thomas Bosch) seinem Zellengenossen Gepetto (Ivan Dentler). Doch anstatt sich über ihre Verbrechen zu unterhalten und in einem testosterongeprägten Schlagabtausch die Hierarchie zu klären, plaudert Robert über Insiderwissen aus der Scheinwelt des Theaters. Der ehemalige Schauspieler Robert berichtet zum Beispiel über Karteien, in denen Hinterteile gecastet sind und als Double eingesetzt werden. Und der treu-dusselig wirkende Gepetto hört ungläubig zu. Das ist inhaltlich das erste, was überrascht und positiv auffällt.

„Schauspieler sind wie Knetmasse“, meint Robert, und sein Drang, den willigen und begeisterten Knastbruder nach seiner Regie zu formen, wird immer stärker. Gepetto lässt sich darauf ein, macht komische Wahrnehmungsübungen und steigt in die Tiefen seiner Gefühlswelt ab. Dadurch kommen große, überzeugende Momente der Schauspielerei zum Vorschein, in denen er seinen Lehrer zu überflügeln scheint. Aber auch alte Hassgefühle auf seine Exfreundin brechen brachial durch. Wieder wird der Zuschauer aufs Glatteis geführt, wenn er glaubt, Gepetto sei ein Mörder. Der entpuppt sich lediglich als Betrüger, der labile und ausgebootete Robert hingegen hat einen Produzenten auf dem Gewissen.

Dentler und Bosch schafften es mit ihrem natürlichen Spiel, die Unmittelbarkeit, die das Theater bietet, lebendig zu vergegenwärtigen und bekamen viele spontane Lacher. Zuschauer Maxim Wallerstedt (16) war begeistert : „Die beiden haben extrem gut gespielt. Sie haben es geschafft, die Spannung zu halten.“

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