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Klassentreffen : Die Einfelder Schulklasse, die vielen Tieren das Leben rettete

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nach 50 Jahren trafen sich 16 ehemalige Volksschüler wieder - und ihr Lehrer gab immer noch den Ton an.

von
erstellt am 04.Aug.2014 | 12:00 Uhr

16 ehemalige Einfelder Volksschüler trafen sich am Sonnabend nach 50 Jahren in Lütjens Bierstuben, um gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen. Der Star des Tages war aber ihr heute 84-jähriger Lehrer Volkhard Simons, der in München lebt und für dieses Treffen extra mit dem Wohnmobil nach Neumünster gekommen war.

Diese Einfelder Klasse von 1964 verbindet eine ganz besondere Geschichte: „1962/63 hatten wir einen ganz harten Winter. Nicht nur für uns Menschen, denn abertausende Vögel und andere Tiere sind damals umgekommen“, erzählte Lehrer Simons. Ein bekannter Einfelder Vogelkundler nahm Kontakt zu Volkhard Simons auf und bat um Hilfe bei der Notfallversorgung von Vögeln. Und so kam es dann, dass die damals 35 Schüler der Klasse sich von nun an um zahlreiche Vögel kümmerten. Für Simons, der damals ganz frisch im Lehrerberuf war, waren das zwei Fliegen mit einer Klappe. „Ich bin gelernter Gärtner und Florist und hatte immer einen Weg gesucht, die Kinder zur Gartenarbeit zu bewegen“, erzählte er.

Das hatte er damit erreicht. Die Kinder waren hochmotiviert, kümmerten sich Tag und Nacht und auch in den Ferien um die Tiere. „Man musste ihnen nicht sagen, was sie zu tun hatten. Die Kinder waren der Motor“, sagte der Lehrer. Dann trat ein Bauer an den Lehrer und seine Schüler heran: Er hatte drei Jungstörche gefunden, deren Eltern in eine Hochspannungsleitung geraten und ums Leben gekommen waren. Auch deren Pflege nahmen sich die Einfelder Volksschüler an. Dicky, Ducky und Dacky nannten sie ihre neuen Schützlinge.

„Das hat einen Medienrummel nach sich gezogen. Erst berichtete der Holsteinische Courier, und darauf folgten Funk und Fernsehen. Wir haben bald Briefe aus der ganzen Republik bekommen, die unsere Arbeit gelobt haben. Die Kinder waren richtig stolz darauf, dass ihre Arbeit diese Anerkennung erhielt“, erinnerte sich der Lehrer. Mehr als 80 Tiere haben die damaligen Schüler mit ihrem Lehrer vom dritten bis zum sechsten Schuljahr gepflegt und aufgepäppelt. „Aber Unterstützung haben wir nie bekommen. Darum haben wir uns selbst gekümmert und für Geld gesungen“, hieß es.

Denn Volkhard Simons, der aus einer Musikerfamilie stammt und die letzten 40 Jahre an der Münchener Musikhochschule unterrichtete, ließ seine Schüler immer eine Stunde vor Unterrichtsbeginn singen. Auch am Sonnabend sang die ehemalige Klasse „Bruder Jakob“. Im Anschluss schauten sie sich einen 40-minütigen Film an. „Den haben wir aus Bildern und Presseberichten von damals zusammengeschnitten und mit Musik von damals unterlegt“, sagte Manfred Källner, der das Treffen organisierte. Vor 25 Jahren hatte sich die Klasse zum ersten Mal getroffen.

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