Amtsköste : Die Bürokratie macht dem Handwerk das Leben schwer

Drei Redner (von links): Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Lübeck, Andreas Katschke, und Kreishandwerksmeister Michael Kahl.
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Drei Redner (von links): Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Lübeck, Andreas Katschke, und Kreishandwerksmeister Michael Kahl.

49. Amtsköste der Kreishandwerkerschaft mit 110 Gästen. Immer neue Gesetze und Verordnungen machen den Betrieben große Sorgen

shz.de von
16. November 2013, 08:00 Uhr

Es war bereits die 49. Amtsköste der Kreishandwerkerschaft (KHW), und vermutlich hat es keine einzige Ausgabe gegeben, in der die Handwerksmeister nicht über die Bürokratie geklagt hätten. „Leider gibt es immer wieder Grund dazu. Was muss das Handwerk in Schleswig-Holstein eigentlich von dieser Landesregierung noch befürchten?“, fragte Kreishandwerksmeister Michael Kahl in seiner Rede.

Rund 110 Gäste hörten am Donnerstagabend ihm und den anderen Rednern bei dieser Traditionsveranstaltung zu, die zum ersten Mal im Hotel Altes Stahlwerk stattfand. Einmal jährlich lädt das Handwerk Gäste aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft ein, um einen entspannten Abend bei guten Gesprächen zu genießen.

Als Stichworte für immer neue Auflagen und bürokratische Hemmnisse nannte Kahl, Raumausstattermeister in Bad Bramstedt, unter anderem Tariftreuegesetz, Mindestlohngesetz und Korruptionsregistergesetz sowie das neue kommunale Abgabengesetz. „Statt das Handwerk zu fördern oder die Probleme der Infrastruktur zu lösen, entwirft diese Landesregierung lieber neue Gesetze und erhöht Steuern, wie zum Beispiel die Grunderwerbsteuer um 30 Prozent ab Januar 2014“, schimpfte Kahl. Vor diesem Hintergrund stehe zu befürchten, dass trotz guter Auftragslage schwierige Zeiten für das Handwerk hereinbrächen.

Dabei berichtet jeder vierte Betrieb im Bezirk der KHW Mittelholstein (Neumünster und Kreis Segeberg) von einem Plus bei den Beschäftigten und beim Auftragsbestand. 35 Prozent der Betriebe konnten ihren Umsatz im Vergleich zum Vorquartal steigern. Kahl: „Die Stimmung bei den meisten Kollegen ist nach wie vor hervorragend.“ Er schilderte das Handwerk als das Rückgrat der Wirtschaft und vor allem als Motor der Ausbildung: Die Betriebe in Mittelholstein hätten in diesem Jahr 819 neue Lehrverträge abgeschlossen, 24 mehr als im Vorjahr. Insgesamt würden im Bezirk 2200 junge Menschen ausgebildet.

Auch Andreas Katschke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Lübeck, ging mit der Bürokratie hart ins Gericht, besonders mit der Europäischen Union. „Die neue Datenschutz-Grundverordnung fordert von Konzernen wie Google und Facebook die gleichen Dokumentationen wie von einem kleinen Handwerksbetrieb. Das geht deutlich zu weit!“, sagte Katschke. Außerdem bringe die EU einmal mehr die deutsche Institution des Meisterbriefs in die Diskussion. „Und wir in Deutschland schmeißen mal wieder Qualifikationen über Bord“, so Katschke.

Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras lobte das Handwerk als „einen der Grundpfeiler unserer Gesellschaft“, das einen überaus wichtigen Beitrag zur beruflichen Qualifizierung leiste. Neumünster sei im Aufwind, und er sei bemüht, weiter ein wirtschaftsfreundliches Klima zu erhalten. Auch bei der Bekämpfung der Schwarzarbeit wolle man nicht nachlassen.

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