Konzert-Kritik : Die Bahnhofsmission als Konzertsaal

Mit Inbrunst und hochkonzentriert sang Fritz Bliesener ausgewählte Arien im Wartesaal der Bahnhofsmission.
Mit Inbrunst und hochkonzentriert sang Fritz Bliesener ausgewählte Arien im Wartesaal der Bahnhofsmission.

Tenor Fritz Bliesener sang sich mit ausgewählten Opern-Arien in die Herzen seiner Gäste. Er wurde spontan auf dem Bahnsteig spontan verpflichtet.

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03. März 2014, 06:45 Uhr

Neumünster | Wegkommen vom Suppenküchen-Klischee: Das hat sich Angela Schmiedemann fest vorgenommen. Gemeinsam mit ihren ehrenamtlichen Helfern organisiert die stellvertretende Leiterin der Neumünsteraner Bahnhofsmission deshalb regelmäßig kulturelle Veranstaltungen im alten Wartesaal. So gab es bereits einen Vortrag über die Geschichte des Bahnhofs, eine Präsentation des Neumünsteraners Michael Körber über die Schönheiten des Kilimandscharo und nun, am Freitag, einen musikalischen Abend mit dem ausgebildeten Tenor Fritz Bliesener aus Trappenkamp.

Wie schafft man es ohne finanzielle Mittel ein solch buntes Programm auf die Beine zu stellen? Im Falle von Angela Schmiedemann und ihren Helfern, mit viel Engagement, großer Begeisterung für die Sache und sehr viel Spontanität. Letztere half ihr Fritz Bliesener für ein Konzert zu gewinnen. „Herr Bliesener sprach mich auf dem Bahnsteig an, weil er Fragen zum Fahrplan hatte. So kamen wir ins Gespräch und ich erfuhr, dass er als ausgebildeter Sänger bereits eine CD mit dem Prager Symphonieorchester aufgenommen hat und sogar schon im Fernsehen aufgetreten ist“, beschreibt Angela Schmiedemann ihre erste Begegnung mit dem Sänger aus Trappenkamp. Spontan engagierte sie ihn für einen Liederabend und spontan sagte der 76-Jährige zu. Das war vor drei Monaten und Bliesener hielt sein Versprechen: Am Freitagabend sang er im vollbesetzten Wartesaal vor 40 Zuhörern.

Den Anfang machten zwei Arien von Puccini. Trotz seines hohen Alters erreichte der Tenor hier mühelos das hohe C. Weiter ging es mit „L‘ Eternità“ von Pierro Mazzochetti. „Der Titel bedeutet Liebe für die Ewigkeit“, erklärte Bliesener, „ich bin mit meiner Frau seit 55 Jahren verheiratet. Ich weiß, was Liebe ist“, so der Tenor mit einem lächelnden Seitenblick auf seine Frau. Sie saß neben ihm und kümmerte sich um die musikalische Begleitmusik.

Interpretationen bekannter Bocelli-Songs in der Mitte des einstündigen Konzertes lösten erste Begeisterungsrufe beim Publikum hervor und als sich Fritz Bliesener mit „Merci“ von Udo Jürgens das Ende des Konzertes ankündigte, wollte man ihn nicht gehen lassen. Als Zugabe gab es deshalb „Lippen Schweigen Flüstern Geigen“ aus der Lustigen Witwe von Franz Lehar und die Aufforderung mitzusingen. Das begeisterte Publikum kam dem gerne nach.

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