Neumünster : Die 68er leben auf

Die ehemaligen Protestler Dr. Hartmut Andresen (von links), Gerd M.Achterberg, Günter Humpe-Waßmuth und Volker Andresen erinnern sich an Demonstrationen in Neumünster.
Die ehemaligen Protestler Dr. Hartmut Andresen (von links), Gerd M.Achterberg, Günter Humpe-Waßmuth und Volker Andresen erinnern sich an Demonstrationen in Neumünster.

Museum Tuch+Technik eröffnet Fotoausstellung über die Protestbewegung in Neumünster.

shz.de von
26. Mai 2018, 11:00 Uhr

Neumünster | In den 1960er Jahren gingen sie zu Tausenden auf die Straße: Studenten, die gegen starre Gesellschaftsstrukturen, kapitalistische Ausbeutungen und den Vietnamkrieg protestierten. In Universitätsstädten wie Berlin, Frankfurt oder München demonstrierten sie unter anderem für eine Aufarbeitung der deutschen Nazivergangenheit und eine tiefgreifende Bildungsreform. Obwohl Neumünster keine Universitätsstadt ist, gab es auch hier Proteste. Zum 50. Jubiläum der 68er Bewegung eröffnet das Tuch + Technik Museum daher eine neue Fotoausstellung: „68er Bewegung – Neumünsters Jugend geht auf die Straße.“

Ausgestellt werden 32 Bilder des Pressefotografen Walter Erben, ergänzt werden diese durch fünf Fotos der Deutschen Presseagentur. Die Werke wurden vor die Fenster des Museums gehängt, damit sie von außen betrachtet werden können. Wie in einer Dunkelkammer sind die Bilder mit Klammern an Leinen befestigt – eine Hommage an Walter Erben. Das Ziel war es, die Bilder „lässig“ aufzuhängen, erklärt Kuratorin Monika Krebs. Damit fügt sich die Art der Präsentation in das Bild der 68er ein, die sich aus dem starren gesellschaftlichen Gefüge befreien wollten.

Die Proteste in Neumünster seien weniger vehement gewesen als im Rest der Bundesrepublik. „Man wird hier nicht Neumünsters Antwort auf den Teufel und Uschi Obermaier finden“, so Monika Krebs. Dennoch habe man auf lokaler Ebene viel bewegt. Neumünsters Jugend ging gegen Schulraumnot, Lehrermangel und für ein Jugendzentrum auf die Straße. Aber auch bundespolitische Themen wie die Ratifizierung der Warschauer Verträge sorgten für Protest. Ihre Anstrengungen trugen Früchte: 1972 konnte die Aktion Jugendzentrum (AJZ) ein ehemaliges Kino in der Friedrichstraße beziehen. Dort ist es heute noch zu finden.

Zur Ausstellungseröffnung wurde zur Podiumsdiskussion unter der Leitung von Günter Humpe-Waßmuth, Vorsitzender des Fördervereins „Museum Tuch + Technik“ eingeladen. Es sprachen die Zeitzeugen Gerd M. Achterberg, Dr. Hartmut Andresen und Volker Andresen. Sie berichteten, wie sie die turbulenten Zeiten wahrnahmen. So hielt Gerd M. Achterberg als Schülersprecher der Holstenschule die Abschlussrede des Abiturklasse 1968, in der er die Lehrer mit negativ geladenen „Elektronen“ verglich, „die sich mit viel Vehemenz und Erfolg gegen alle Bestrebungen wenden, aus den eingefahrenen Bahnen repressiver Unterrichts- und Schulordnungsgestaltung herauszukommen.“ Allerdings wurde sie nie beendet, denn sein Auftritt wurde vom Rektor unterbrochen. Volker Andresen ging unter dem Motto „Langeweile ist scheiße“ für ein Jugendzentrum in Neumünster auf die Straße, das er 1972 mitbegründete.

Man ist sich einig darüber, dass die 68er Bewegung gezeigt hat, dass man etwas verändern kann, wenn man seine Forderungen formuliert. Diese Erfolge würden sich nicht nur auf die lokale Ebene beschränken. Den freiheitlichen Geist habe man sich als 68er bis heute bewahrt.

Die Ausstellung kann noch bis zum 25. November besucht werden. Am Donnerstag, 19. Juli, von 15 bis 17 Uhr wird ein Rundgang mit anschließendem Kaffee-Ausschank durch das Museum angeboten. Dieser ist Teil der Veranstaltungsreihe „Museum zum Kaffee“. Der Eintritt kostet 10 Euro.

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