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Holsteinischer Courier

22. Oktober 2017 | 08:35 Uhr

Streit : Dicke Luft beim Kinderschutzbund

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Lieselotte Jacobsen (88) legt Ehrenvorsitz nieder / Geschäftsführer und Vorstand äußern sich zu den Vorwürfen

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | Der Courier-Bericht über den Rauswurf von langjährigen ehrenamtlichen Mitarbeitern beim Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) hat heftigen Wirbel und massive Kritik vor allem am Verhalten von Geschäftsführer Till Pfaff ausgelöst. Helfer, Mitglieder und Unterstützer schrieben reihenweise Leserbriefe. Jetzt sorgt auch noch ein DKSB-Urgestein für einen Knall: Die langjährige Vorsitzende Lieselotte Jacobsen (88) legt ihren Ehrenvorsitz nieder – aus Protest über diese Kündigungen, aber auch über die gesamte Entwicklung. „Ich bekomme keinerlei Informationen, keine Sitzungsprotokolle, keine Mitgliedslisten. Wo bleiben die Spenden, die dem Verein durch Veranstaltungen oder Erbschaften zugeflossen sind? Wenn ich das nicht weiß, kann ich die Verantwortung nicht mehr tragen“, sagt sie.

Mit Bestürzung und Sorge verfolgt sie die Entwicklung im Ortsverband, spricht sogar von „Mobbing gegenüber altgedienten Mitarbeitern“ und moniert, dass diverse Angebote reduziert oder gestoppt wurden: Kindergartengruppen, pädagogischer Mittagstisch, Elternkurse und Babysitter-Service. „Wir haben lange gearbeitet, um das aufzubauen, das geht jetzt den Bach runter“, sagt sie und meint ihr Wirken als Vorsitzende – mehr als 20 Jahre, davor 15 Jahre als 2. Vorsitzende. Seit 1960 ist sie im DKSB – und sieht jetzt ihr Lebenswerk beschädigt. Die Wechsel im Vorstand 2014 nennt Lieselotte Jacobsen eine „feindliche Übernahme“, die alles andere als harmonisch vor sich gegangen seien.

Das sieht auch Susanne Pfuhlmann-Riggert (60) so, die von 1991 bis 2014 die 2. Vorsitzende war und im Februar 2015 ihre Mitgliedschaft kündigte. Sie gehörte dem Vorstand an, der Pfaff zum Geschäftsführer auswählte: „Wir haben uns durchaus etwas von ihm versprochen. Er hat sich mit Bravour auf die Aufgaben gestürzt, er hatte ein Konzept“, sagte sie zum Courier. Doch die putschartigen Vorstandswahlen 2014 seien der „Anfang vom Ende gewesen“. Die Vorsitzende Gudrun König sei „nicht kompetent, so einen Verein zu führen“, so Pfuhlmann-Riggert. Das weist Gudrun König empört zurück, verweist auf ihre Ausbildung und Tätigkeit als pädagogische Assistentin.

Susanne Pfuhlmann-Riggert kritisiert auch, dass sich der Kinderschutzbund von den lang gedienten Kräften getrennt hat: „Herr Pfaff hat den Fehler begangen, die Alten nicht mitzunehmen, er hat sie abserviert und verprellt. Er hätte sich um Integration bemühen müssen.“

Till Pfaff, Gudrun König sowie die Vorstandsmitglieder Hans-Joachim Hellrung und Sabine Lehrmann äußern sich erstmals zu den Vorwürfen und wehren sich. „Wir wollten gerade keine Schlammschlacht und Emotionalität“, sagt Pfaff mit Blick auf die Leserbrief-Stimmung. Er und Gudrun König sprechen von einem Generationenwechsel im Verein: „Vieles hat sich verändert, Rechtliches, die Arbeit in einem Verein. Wir haben uns mit Schwung und Elan reingeworfen, wir sind auf einem guten Weg“, sagt Gudrun König. „Wir arbeiten an einer konsequenten Veränderung des Vereins im Sinne einer Modernisierung. Das bedeutet, dass wir mit 30 Mitarbeitern wie ein Unternehmen denken müssen und nicht gnadenlos Geld herausfeuern“, so Pfaff.

Die Zusammenarbeit im Vorstand und mit dem Team bezeichnen alle als „sachlich und auf Augenhöhe“ – sein Führungsstil sei ein anderer als der seiner Vorgängerin, sagt Pfaff. Diese Veränderungen hätten manch Altgediente nicht mitgetragen, „das hat zwangsläufig zu Diskussionen geführt. Es gab Gesprächsangebote, aber natürlich kein Mobbing“, sagt Pfaff. Unmissverständlich weist er zurück, dass Spenden unklar verwendet würden: „Das ist eine nicht haltbare Unterstellung und strafrechtlich relevante Behauptung, die enormen Schaden anrichten kann. Wir haben eine ordnungsgemäße Buchführung, regelmäßige Berichte an den Vorstand, Kassen- und Wirtschaftsprüfungen.“

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