Flüchtlingsbetreuung : Diakonie und Bonhoeffer trennen sich

Leckereien für die Gäste des Sommerfestes: Hossein, Sam, Fatemeh, Ute, Mehdi, Makham und Kiana (von links) boten an ihrem Stand Salate, Torten und andere Köstlichkeiten aus ihrer iranischen Heimat an.
Leckereien für die Gäste des Sommerfestes: Hossein, Sam, Fatemeh, Ute, Mehdi, Makham und Kiana (von links) boten an ihrem Stand Salate, Torten und andere Köstlichkeiten aus ihrer iranischen Heimat an.

Das Sommerfest im Café Vis-à-Vis war gleichzeitig eine Art Abschiedsfeier. Jetzt wird renoviert, und im September gibt es zwei Einrichtungen

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13. Juli 2015, 15:00 Uhr

Neumünster | Die Diakonie und die Dietrich-Bonhoeffer-Kirchengemeinde schlagen künftig getrennte Wege in der Flüchtlingsbetreuung ein. Die Zusammenarbeit im Café Vis-à-Vis ist beendet. So wurde das Sommerfest im Bonhoeffer-Gemeindehaus an der Tizianstraße gestern gleichzeitig eine Art Abschiedsfeier.

Das Vis-à-Vis geht jetzt in die Sommerpause, wird renoviert und im September wieder öffnen, allerdings nur noch als Bonhoeffer-Einrichtung und unter einem neuen Namen. Das Café ist ein Treffpunkt für die Flüchtlinge aus der Gemeinschaftsunterkunft am Haart und die Einheimischen.

„Im Gemeindehaus geht einfach der Platz aus“, teilte Propst Stefan Block in einer gemeinsamen Presseerklärung des Kirchenkreises, der Bonhoeffer-Gemeinde und der Diakonie mit. Wegen der stark gestiegenen Flüchtlingszahlen möchte die Diakonie ihre Arbeit ausbauen. Mehr Beratung, mehr Kontaktmöglichkeiten und das mehrmals pro Woche sind geplant, und zwar an einem neuen Ort. „Die Diakonie wird für ihr Café größere Räume in unmittelbarer Nähe am Haart mieten, aber der Vertrag ist noch nicht unterschrieben“, sagte Block zum Courier. Außerdem bleibe die Beratung für Flüchtlinge in den Diakonieräumen Am Alten Kirchhof 2 aktiv.

Von Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Partnern wollte Block auf Nachfrage nichts wissen. „Wir wollen die Flüchtlingsarbeit ausbauen und teilen uns auf. Die Diakonie arbeitet eher beratungsorientiert, die Kirchengemeinde etwas mehr seelsorgerisch. Sie bietet auch übersetzte Gottesdienste an“, sagte Block. Er lege Wert darauf, dass beide Einrichtungen keinen missionarischen Auftrag hätten: „Wir helfen nicht, um die Menschen zu Christen zu machen, sondern weil wir helfen wollen.“ Er dankte besonders den vielen Haupt- und Ehrenamtlichen, die sich seit 2008 im Café Vis-à-Vis engagiert hätten. Das war damals anlässlich eines Hungerstreiks in der Zentralaufnahme ins Leben gerufen worden.

Der Stimmung auf dem Sommerfest der Bonhoeffergemeinde tat die bevorstehende Trennung am Sonntag (noch) keinen Abbruch: Das Fest war am Morgen mit einem mehrsprachigen Gottesdienst mit Pastorin Isabel Frey-Rank eröffnet worden. Die Pastorin betonte, dass dies ein Fest für Jung und Alt, für Vertraute und Fremde sei. Dafür war auch das ganze Gelände des Gemeindezentrums vorbereitet. Die Köche vom Haus Berlin sorgten für ein kostenloses Mittagessen. Die Jugend der Gemeinde mixte alkoholfreie Cocktails an Jims Bar. Hossein, Sam, Fatemeh, Ute, Mehdi, Makhan und Kinana aus dem Iran präsentierten an ihrem Stand Spezialitäten aus ihrem Heimatland. Der Jugendverband, die Ruthenberger Rasselbande sowie der Landessportverband hielten viele Spiel- und Sportmöglichkeiten für alle Altersgruppen bereit. Nabu, der Verein Lichtblick und der Weltladen luden die Kinder zum Basteln und Schminken ein. Flüchtlinge aus der nahen Landesunterkunft am Haart präsentierten internationale Musik.

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