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Ausbildung : Deutschlands beste Nachwuchs-Gastronomin kommt aus Neumünster

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Franziska Baader (21) setzte sich in Köln gegen die gesamte Bundeselite durch. Vom Bodensee kam sie zur Ausbildung in den hohen Norden.

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erstellt am 11.Okt.2013 | 09:00 Uhr

Deutschlands beste Nachwuchs-Gastronomin kommt aus dem hohen Norden – oder doch eher aus dem tiefen Süden? Die strahlende Siegerin des 12. Nationalen Azubi-Awards Systemgastronomie, frisch vom Wettbewerb in Köln in Neumünster zurück, kann das selbst nicht so genau beantworten.

Franziska Baader wurde vor 21 Jahren als Tochter einer Bäckersfamilie bei Überlingen am Bodensee geboren und kam vor zwei Jahren nach Neumünster, um ihre Ausbildung in der Bäckerei Tackmann zu beginnen. Die ist gerade beendet, und prompt schlug die frischgebackene Systemgastronomin jetzt im nationalen Vergleichstest am Rhein die Besten der Besten des Ausbildungsjahrgangs aus dem Feld. Verdienter Lohn für die Top-Azubi: eine fünftägige Reise für zwei Personen nach New York. Wen sie dabei als Begleitung mitnehmen will – vielleicht eine ihrer vier Schwestern aus dem Süden oder einen Freund aus dem Norden –, steht noch nicht fest. „Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht“ , sagt die junge Frau und lacht.

Für die Gastronomie-Ausbildung einmal 1000 Kilometer längs durch Deutschland, ist das nicht etwas übertrieben? Für die Bäckerstochter vom Bodensee war das keine Frage. Nach dem Abitur wollte sie „irgendwas machen, was mit dem elterlichen Betrieb zu tun“ hat, aber auch studieren. Das passende Angebot fand sie exklusiv an der Berufsakademie in Hamburg. Bislang lässt sich nur dort das Studium der Betriebswirtschaft mit einer klassischen Ausbildung zur Fachfrau für Systemgastronomie kombinieren. Ihr Vater stellte den Kontakt zum Berufskollegen im fernen Boostedt her. Zwei Tage arbeitete die Abiturientin in Boostedt zur Probe, dann hatte sie den Lehrvertrag in der Tasche.

Vier Jahre wird die junge Frau in Neumünster verbringen: Die auf zwei Jahre verkürzte Ausbildung zur Systemgastronomin hat sie gerade beendet, jetzt will sie sich auf ihr Studium der Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt auf klein- und mittelständische Unternehmen konzentrieren. Parallel zum Studium wird sie in der Tackmann-Filiale am Kuhberg weiter Berufserfahrungen als Jung-Gastronomin sammeln. Das klappte auch bisher schon ganz gut. An vier Tagen in der Woche stand sie in den letzten zwei Jahren hinter dem Verkaufstresen, arbeitete in der Buchführung in Boostedt oder büffelte in der Berufschule, freitags und sonnabends studierte sie in Hamburg. Trotz der Doppelbelastung als Studentin und Azubi bewies die muntere Badenerin offenbar schon während ihrer Ausbildung außergewöhnliches Talent. Ihre Berufsschullehrer schlugen sie für das Begabten-Förderprogramm der Dehoga „Butter bei die Fische“ vor. Bei den Landesmeisterschaften ihrer Branche im April kam sie auf den zweiten Platz und verpasste damit nur knapp das Freifahr-Ticket zum nationalen Azubi-Wettbewerb in Köln.

Ihr Chef, Hans-Jürgen Tackmann, traute ihr jedoch mehr zu und schickte Franziska auf eigene Kosten in den Wettbewerb an den Rhein. Eine gute Investition: Am vergangenen Dienstag stand die Süddeutsche aus dem hohen Norden nach zweitägigem Wettkampf gegen 39 Konkurrenten aus ganz Deutschland auf dem Siegertreppchen. Das offenbar zur eigenen Überraschung: „Damit hätte ich nie gerechnet“, sagt Deutschlands beste Nachwuchs-Gastronomin, eigentlich sei sie die Sache eher locker angegangen.

Dabei hatte es der Wettbewerb durchaus in sich. Neben praktischem Fachwissen verlangten die fast 50 Juroren ihren Kandidaten etwa auch unternehmerisches Denken ab. Fleißig Punkte sammelte Franziska Baader etwa mit einem Strategie-Konzept, das beschreibt, wie auch kleinere Gastronomiebetriebe dem Azubi-Mangel begegnen können. Eher locker-entspannend empfand die Kandidatin aus Neumünster dagegen ein Rollenspiel, bei dem sie zwei Gästen Kaffee servierte, die dann tückischerweise nachfragten, woher denn der wunderbare Arabica eigentlich stamme. Auch darauf fand sie offenbar die passende Antwort.

Nach dem überraschenden Sieg beim Azubi-Wettbewerb hat Franziska Baader als allererstes ihre Eltern am Bodensee angerufen: „Die waren natürlich mächtig stolz auf ihre Tochter!“ Das dürfen sie wohl auch sein.

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