WM-Spiel gegen Algerien : „Deutschland ist stark, wir sind stärker“

Pure Fußballfreude: So überschwänglich jubeln Tarik (von links), Hakim und Maamar Alioua sowie der kleine Nachbarsjunge Ali Nemer auf dem heimischen Sofa, wenn die algerische Mannschaft heute ein Tor schießt. Zum multikulturellen Fußball-Fest mit Freunden und Bekannten ist die Wohnung mit Flaggen geschmückt, die Familie trägt die algerischen Nationaltrikots.
Pure Fußballfreude: So überschwänglich jubeln Tarik (von links), Hakim und Maamar Alioua sowie der kleine Nachbarsjunge Ali Nemer auf dem heimischen Sofa, wenn die algerische Mannschaft heute ein Tor schießt. Zum multikulturellen Fußball-Fest mit Freunden und Bekannten ist die Wohnung mit Flaggen geschmückt, die Familie trägt die algerischen Nationaltrikots.

Die algerische Familie Alioua hofft auf den Einzug ihrer Mannschaft ins Halbfinale. Vater Maamar: „Gewinnt Deutschland, kommen sie ins Finale.“

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30. Juni 2014, 12:00 Uhr

Neumünster | Die Nachbarn von Familie Alioua müssen heute Abend damit leben, dass es etwas lauter wird – oder aber sie kommen gleich bei der gastfreundlichen algerischen Familie in der Innenstadt vorbei. Denn wenn der Schiedsrichter um 22 Uhr in Porto Alegre die WM-Achtelfinal-Begegnung zwischen Jogis Jungs und den Wüstenfüchsen anpfeift, wird bei den Aliouas ein multikulturelles Fest gefeiert. Die stadtbekannte Fußballer-Familie erwartet Freunde und Bekannte unter anderem aus Deutschland, dem Libanon und Tunesien und von den Philippinen.

1990 kam Familienoberhaupt Maamar (53) mit seiner Frau Fatiha und Sohn Hakim aus dem nordalgerischen Blida nach Neumünster. Schon in seiner Heimat hatte er Fußball gespielt und als Rechtsaußen für das eine oder andere Tor gesorgt. In Neumünster engagierte er sich als Trainer, war Fußballobmann und zuletzt Betreuer beim VfR. Seine Leidenschaft übertrug er auch auf seine drei Söhne. Hakim (26) spielte bei Olympia, in Tungendorf, in der A-Jugend-Bundesliga von Holstein Kiel sowie beim VfR und ist momentan als Mittelfeldspieler bei Henstedt-Ulzburg aktiv. Idris (23) verstärkte als Linksaußen und Stürmer Olympia und den PSV und wechselte gerade von Gadeland zum VfR. Und Tarik (20) hat nach Stationen bei Olympia, in Gadeland und Tungendorf sowie in der Verbandsliga bei Einfeld nun seine neue Spielerheimat beim PSV gefunden.

Die Familie ist sich einig: Algerien wird heute knapp gegen die Deutschen gewinnen. „Deutschland ist stark, aber wir sind stärker“, sagt Maamar und bemüht die Statistik. Zweimal hat Deutschland gegen Algerien gespielt, zwei Mal verloren. „1982 hat Karl-Heinz Rummenigge beim WM-Vorrundenspiel gesagt, er schieße sieben Tore, und dann haben die Deutschen 1:2 verloren.“ Hakim verweist auf die ewige Weltrangliste. „Dort steht Algerien als beste afrikanische Mannschaft auf Platz 22“, sagt er. Tarik weiß auch warum: „Wir haben junge, heiße Spieler, die schon Erfahrungen in Europa sammeln konnten. Die Mannschaft ist offensiv und taktisch gut aufgestellt.“

Der späte Start des WM-Partie kommt der muslimischen Familie übrigens entgegen. Denn es ist Fastenmonat Ramadan, da darf ohnehin erst nach Einbruch der Dunkelheit gegessen und getrunken werden. Beim Stichwort Buffet kommt Mutter Fatiha ins Spiel, die für die Köstlichkeiten sorgt. „Sie hat uns immer unterstützt und ist der Rückhalt der Mannschaft“, sagt Maamar lachend.

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