Tag der Arbeit : Deutliche Worte auf der Maifeier

Der Demonstrationszug mit rund 400 Teilnehmern lief vom Großflecken über den Mühlenhof durch das Bahnhofsviertel.
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Der Demonstrationszug mit rund 400 Teilnehmern lief vom Großflecken über den Mühlenhof durch das Bahnhofsviertel.

400 Teilnehmer schlossen sich dem Zug Richtung DGB-Haus an. Gewerkschaftsvorstand attackiert Kritik am Mindestlohn. Großer Flohmarkt und buntes Kinderprogramm lockte zahlreiche Gäste.

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02. Mai 2015, 05:00 Uhr

Neumünster | Die Worte des Mairedners hallten gestern am Tag der Arbeit unmissverständlich aus den Lautsprechern. Stefan Körzell, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), war zum 125. Jahrestag nach Neumünster gekommen und sprach vor mehreren hundert Menschen.

Zuvor hatten sich Mitglieder von Gewerkschaften, Parteien, Vereinen und Verbänden auf dem Großflecken getroffen, um gemeinsam zu demonstrieren. Zirka 400 Teilnehmer liefen ab 10 Uhr mit dem Spielmannszug der FTN an der Spitze zum DGB-Haus an der Carlstraße. Anders als sonst lief der Umzug baustellenbedingt nicht über die Holstenstraße durch das Vicelinviertel, son-dern über Lütjenstraße und Mühlenhof durchs Bahnhofsviertel zu seinem Ziel.

„Die Arbeit der Zukunft gestalten wir“ – so lautete das Motto des Tags der Arbeit. Auf zahlreichen Transparenten warben die Teilnehmer für mehr Respekt für den Wirtscaftsfaktor Arbeit. Am DGB-Haus blickte Körzell zunächst auf die Anfänge zurück, als am 1. Mai 1890 Arbeiter für den Acht-Stunden-Tag kämpften. „Sie versammelten sich, um gemeinsam für ihre Ziele zu kämpfen. Wir haben auch viele Abwehrkämpfe in den vergangenen Jahren ausgefochten“, betonte Stefan Körzell und sprach beim Mindestlohn von 8,50 Euro von einem „Riesenerfolg“. Zugleich kritisierte er deutlich die „Anti-Mindestlohn-Versammlung“ des CDU-Wirtschaftsrates am vergangenen Dienstag. „Da haben sich Leute getroffen aus dem Taxigewerbe, aus Callcentern, dem Hotel- und Gaststättengewerbe und dem Einzelhandel. Die hätten lieber einen Schreiblehrgang machen sollen, um zu lernen, Arbeitsstunden korrekt zu erfassen“, sagte er. Den Umgang der Arbeitgeber mit dem Mindestlohn, etwa Zuschläge in den Grundlohn einzurechnen, Urlaubstage zu reduzieren oder Essensgutscheine als Mindestlohn-Ersatz auszugeben, bezeichnete das DGB-Vorstandsmitglied als „Wildwestmethoden“ und kündigte Gegenwind an.

Hinsichtlich der bevorstehenden Oberbürgermeisterwahl am 10. Mai zeigte sich Stefan Körzell entsetzt über die Kandidatur der NPD. „Dass sie es überhaupt wagen, ist ein starkes Stück. Sie haben nichts zu bieten, außer die Demokratie mit Füßen zu treten“, sagte er. Im Anschluss rief Dr. Christof Ostheimer vom Runden Tisch für Toleranz dazu auf, am heutigen Sonnabend Flagge „gegen die Propaganda der NPD zu zeigen“ und erntete Applaus. Umrahmt wurde die Feier rund um das DGB-Haus unter anderem von einem großen Flohmarkt und einem bunten Programm für Kinder.

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