Auszeichnung : Designerin auf internationalem Parkett

Die Faszination des Textilen begann für Beate von Harten in der Tuchmacher-Stadt; heute ist sie seit 30 Jahren Teppichdesignerin. Beim Besuch im Museum Tuch+Technik weckten die Webstühle viele Erinnerungen.
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Die Faszination des Textilen begann für Beate von Harten in der Tuchmacher-Stadt; heute ist sie seit 30 Jahren Teppichdesignerin. Beim Besuch im Museum Tuch+Technik weckten die Webstühle viele Erinnerungen.

Ex-Gadelanderin Beate von Harten ist für den „Carpet Design Award“ nominiert / Als Kind begann die Faszination fürs Textile in Bartram-Fabrik

shz.de von
17. Januar 2015, 12:00 Uhr

Neumünster | Eine Teppichdesignerin mit Wurzeln in Neumünster erhält Meriten auf internationalem Kunst-Parkett: Beate von Harten, die seit 30 Jahren ihr Atelier „Manufaktum“ in Wien betreibt und in Gadeland aufwuchs, wird für den „Internationalen Carpet Design Award“ auf der Domotec Hannover nominiert – und das bereits zum zweiten Mal. „Allein schon nominiert zu werden, ist eine Auszeichnung. Das bringt mir internationale Aufmerksamkeit“, sagt die Künstlerin, die die Beziehungen zu ihrer einstigen Heimatstadt pflegt: „Ich bin stolz, dass ich aus dem textilen Neumünster stamme.“

1953 in Neumünster geboren, ging sie schon als kleines Mädchen an einer Textilfabrik vorbei, roch die Wolle, hörte den Rhythmus der Webstühle, sah die Flusen auf der Straße. „Ich wusste damals nicht, was das für ein Geräusch war.“ Jahre später, als 19-Jährige, machte sie ein Praktikum bei Julius Bartram – und eine lebenslange Leidenschaft für das Textile begann. Sie absolvierte eine Ausbildung im textilen Zweig eines Kieler Gymnasiums – „eine große Weichenstellung“. Sie studierte Textildesign, reiste in die Türkei und nach London. Sie wurde in Österreich sesshaft. In arbeitsreichen Jahren baute sie ihr Atelier auf; zu ihren Aufträgen zählten die Restaurierung des Fugger Mameluckenteppichs in Stuttgart und die Konservierung antiker Seiden- und Goldstickerei in China. Historische Teppiche sind für sie eine „unglaubliche Inspiration“ – das Motto ihrer „Manufaktum“-Werkstatt lautet „langsame Kunst für eine schnelle Zeit“. Ihre erste Prämisse sind Authentizität, Ästhetik, Schönheit und die „Freude am Erschaffen“. Sie folgt nicht dem Mainstream – trotz der Notwendigkeit, das Leben verdienen zu müssen. Oder gerade deswegen: „Künstler setzen Trends.“ In ihre handwerklich-akribisch gefertigten Objekte wirkt sie Botschaften hinein – humorvolle wie ernsthafte. Das in Hannover nominierte, aus Seide gefertigte Werk „Frozen“ („gefroren“) spielt auf den Klimawandel an: „Ich webe für den Planeten kalte Dinge gegen die Erderwärmung.“ 2011 erschuf sie „Svenja’s Field“, eine gewebte Landschaft: „Diese Landschaftsteppiche sind die zukünftige Erinnerung in 3000 Jahren oder 1000 Jahren. Sie könnten einst das einzige Dokument sein, wie Landschaften ausgesehen haben.“

Den Kontakt nach Neumünster lässt sie nicht abreißen; stellte 1992 im Museum aus. Mit der Textilkünstlerin Christina Wetzel ist sie gut befreundet. Sie hätte nie damit gerechnet, jemals dem Textilunternehmen zu begegnen, in dem sie vor 40 Jahren Praktikum gemacht hatte. Als sie auf der Sitzung des Fördervereins des Textilmuseums Jens Bartram begegnete, der damals mit seinem Bruder Ove die Tuchfabrik leitete, was das für sie „ein „wunderbarer Moment“ – „ein feiner Herr mit 85 Jahren, der nicht müde wird, sich um das textile Thema zu kümmern.“

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