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Museum Tuch + Technik : Der Zampel-Webstuhl arbeitet wieder

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das ungewöhnliche Exponat wurde 1965 gekauft und stand schon im alten Textilmuseum.

Neumünster | Im Museum Tuch + Technik können die Besucher jetzt den mittelalterlichen Zampel-Webstuhl wieder in Aktion erleben. Auf ihm wurden komplexe Muster für kostbare Vorhänge und Schmuckgewebe hergestellt. Dafür mussten an dem ungewöhnlichen Gerät zwei Personen hantieren – der Weber und ein „Ziehjunge“, der die Aufgabe hatte, die Kettfäden zu bedienen.

Das ungewöhnliche Exponat, das technisch zu den Vorläufern des seit Anfang des 19. Jahrhunderts gebräuchlichen Jacquard-Webstuhls zählt, wurde 1965 gekauft und stand schon im alten Textilmuseum. Doch er war nicht funktionstüchtig. „Dank der Unterstützung der Fielmann AG konnten nun jedoch mit unserer Handwebmeisterin Kirsten Rolle und dem Handweber Andreas Möller zwei Spezialisten das alte Schätzchen wieder in Gang setzen“, teilte gestern Museumsleiterin Astrid Frevert mit.

Rund vier Monate hatten die beiden Fachleute sich mit dem komplexen Aufbau des Webstuhls auseinandergesetzt. „Die Kettfäden (Längsfäden) haben sich nicht richtig geöffnet. Immer wieder hat etwas gehakt oder geklemmt. Doch um den authentischen Ablauf wieder herzustellen, mussten wir zunächst die Technik des Gerätes verstehen lernen. Das war eine große Herausforderung, und wir haben uns riesig gefreut, als er dann nach vielen gescheiterten Probeläufen das erste Mal wieder einwandfrei lief“, berichteten die beiden Experten stolz.

Und natürlich ließen sie es sich auch nicht nehmen, ihr Werk in Aktion vorzuführen. Kirsten Rolle nahm dazu auf der Weberbank Platz, und Andreas Möller zog professionell an den Fäden. „Eigentlich müsste es aber umgekehrt sein. Denn Weben war zu damaliger Zeit Männersache“, bemerkte dazu Klaus Tidow, der ehemalige Leiter des Textilmuseums. Er ließ es sich gestern nicht nehmen, bei der ersten Vorführung dabei zu sein.

Beim neuen Muster hat man sich allerdings nicht für ein historisches Motiv entschieden, sondern für den Schriftzug „Tuch + Technik“. Den können die Besucher nun als schmucken Schlüsselanhänger mit nach Hause nehmen.

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