zur Navigation springen

Sturmböen : Der Wind störte die meisten Osterfeuer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Polizei sperrte am Sonntag den Großflecken. In Ruthenberg ging es um Nachbarschaftspflege, und in Einfeld konnte man in der Kirche schlafen.

shz.de von
erstellt am 18.Apr.2017 | 08:00 Uhr

Neumünster | Die Osterfeuer gehören zum Fest wie der Baum zu Weihnachten. Das Wetter, besonders Sturmböen, machten es in diesem Jahr aber knifflig. In der engen Bebauung des Kantplatzes blieb das Feuer darum aus, aber an anderen Orten konnten die Neumünsteraner und ihre Gäste es genießen.

Traditionell fand auf dem Großflecken das Ökumenische Osterfeuer statt. Pastor Stefan Bemmé (Anschar), Pastor Gerson Seiß (Vicelin), Kaplan Gabor Kant (St. Maria-St. Vicelin) und Diakonin Constanze Oetting (Bonhoeffer) hatten am Sonntag gemeinsam zur Andacht eingeladen. „Ostern bedeutet, aufzustehen, Mut zum Leben zu gewinnen und andere mit diesem Mut anzustecken“, erklärte Bemmé den 300 Besuchern des festlichen Gottesdienstes.

Nach gemeinsam gesungenen Liedern, begleitet vom Posaunenchor Bokhorst, entzündete Pfadfinder Paul Boxberger (11) das Feuer. Dass es stattfinden konnte, war erst sehr kurzfristig klar. Wegen der Baustelle auf dem Großflecken musste die Veranstaltung um 50 Meter nach Norden verlegt werden. „Das Genehmigungsverfahren dafür ging sehr zögerlich vonstatten“, sagte Pastor Bemmé, ohne Details zu nennen.

Während der Veranstaltung zeigte die Polizei rund um den Großflecken auffallend viel Präsenz. Die Straße war bereits ab 17 Uhr für den Individualverkehr gesperrt. Manche vermuteten, die Veranstaltung solle vor möglichen Terrorgefahren geschützt werden. Vor Ort hieß es dann, die Polizei habe sich wegen des Türkei-Referendums auf alle Eventualitäten eingestellt. Nach früheren Wahlen waren jubelnde Erdogan-Anhänger im Autokorso durch die Stadt gebraust.

In Ruthenberg kamen am Sonnabend rund 60 Besucher zur Kleingartenanlage. Eingeladen hatten die Kleingartenfreunde Ruthenbergskamp und der Ruthenberger Sportverein (RSV). „Heute Morgen war ich mir noch ziemlich unsicher, ob wir das Feuer überhaupt entzünden können“, sagte der Initiator und RSV-Vorsitzende Helmut Röhrs (67). Doch das Wetter besserte sich abends, und so konnte ab 17 Uhr das Holz gestapelt und der Grill angeworfen werden. „Wir haben eine gute Unterstützung von der Feuerwehr, da kann nichts schief gehen“, meinte Röhrs.

Es war das erste Osterfeuer hier. „In Ruthenberg ist nichts mehr los. Eine richtige Kneipe gibt es nicht mehr“, bedauert Röhrs. Außerdem hat er das Gefühl, dass die Bewohner ihre Nachbarn gar nicht kennen. Das will er ändern: „Ich möchte das Gemeinschaftsgefühl im Viertel stärken.“ Das freute auch Ulrike Henningsen: „Ich bin mit meiner Familie hier, um eine Wurst zu essen.“ Und auch Rita Ihloff (76) nutzte die Gelegenheit, um mit ihren Enkelkindern etwas zu machen. „Für uns war es besonders praktisch, weil das Feuer schon so früh angezündet wurde“, sagte sie. Und Helmut Röhrs war zufrieden: „Es sind mehr Leute gekommen, als ich dachte. Im Sommer werde ich bestimmt noch einmal zu einem Fest einladen.“

In Einfeld wurde mit dem Osterfeuer dagegen eine Tradition fortgesetzt. Detlef Erdloff sorgte am Sonnabend für das erste Osterfeuer vor der Christuskirche. „Meine Frau Helga und ich lebten früher am Krückenkrug und hatten ein großes Grundstück, auf dem wir etwa sechs Jahre lang ein Osterfeuer veranstalteten. Bis zu 200 Leute haben wir dazu eingeladen“, erzählte Erdloff. Dann zog das Paar um, hatte den großen Garten nicht mehr. „Diakonin Iris Bendzuk kam auf mich zu und meinte, ich könne mir ja Gedanken machen, diese Tradition trotzdem weiterzuführen. So kam die Idee, das Feuer, wenn auch nur im kleinen Ausmaß, vor der Kirche zu entzünden“, sagte er.

Unter der Regie von Pastorin Antje William wurde schließlich ein Osterprogramm auf die Beine gestellt, das es so bislang nicht gab. In der Kirche war eine Leinwand aufgebaut, auf der am später Abend der Film „Jesus Christ Superstar“ gezeigt wurde. Stündlich gab es Andachten.

Nach der Messe am frühen Abend wurde das in einer Feuerschale gestapelte Holz zum kleinen, feinen Osterfeuer entzündet. Es gab Suppe, Grillgut und Getränke. „Verpflegung für 300 Personen“, scherzte die Pastorin. Trotz des Schauerwetters waren etwa 40 Einfelder gekommen.

Die Kirche blieb die ganze Nacht für die Öffentlichkeit geöffnet. Wer wollte, durfte sich sogar einen Schlafsack mitbringen und die Nacht im Gotteshaus verbringen. Fast schon häuslich richtete sich Gisela Ziegler mit Luftmatratze und Bettzeug neben der Orgel der Kirche ein. Sie stellte aber klar: „In der Osternacht geht es ums Wachen, nicht ums Übernachten.“ Seite 12

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen