Bilanz : Der Weihnachtsmarkt ertrinkt im Regen

Unter schützenden Holzschindeln macht  ’s auch bei Regen Spaß: Wera Ludwig (von links), Claudia Ghazli und Marina Schroeder stießen gestern auf dem Weihnachtsmarkt auf das 15-jährige Jubiläum ihrer Kollegin Wiebke Schlüter an. Alle vier arbeiten in der DRK-Kita Nepomuk. Zum Einstig in die Winterpause der Kita gab es eine Runde Punsch.
Unter schützenden Holzschindeln macht ’s auch bei Regen Spaß: Wera Ludwig (von links), Claudia Ghazli und Marina Schroeder stießen gestern auf dem Weihnachtsmarkt auf das 15-jährige Jubiläum ihrer Kollegin Wiebke Schlüter an. Alle vier arbeiten in der DRK-Kita Nepomuk. Zum Einstig in die Winterpause der Kita gab es eine Runde Punsch.

Dauergüsse von oben machen den Marktbeschickern das Leben schwer. Die Eisbahn kämpft mit den Stromkosten. Aber es gibt robuste Besucher

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20. Dezember 2014, 07:15 Uhr

Neumünster | Es ist wie  verhext: „Immer, wenn man denkt, jetzt hält es mal dicht,  kommt von irgendwo  der nächste Schauer her und verscheucht die Besucher.“ So wie die Steakverkäuferin am Schwenkgrill hadern die meisten Aussteller und Budenbetreiber auf dem Großflecken mit dem verflixten Wetter. Der Weihnachtsmarkt droht im Regen zu ertrinken.

 „Die Dauernässe trifft uns hart“, räumt auch Eventmanager Ingo Kluge, Ideengeber und Manager des Weihnachtsdorfes, unumwunden ein. „Seit zehn Tagen Guss von oben, das ist schlimmer als zwei Tage Ausfall wegen Xaver“, spielt  Kluge auf die Lage vor einen Jahr an. Damals musste  der komplette Weihnachtsmarkt wegen des verheerenden Herbststurmes  sogar einen Tag schließen, um sich den Orkanböen zu entziehen. Nach der Sturmpause  war aber sofort wieder alles gut.

„Diesmal brauchen  die Besucher wirklich Durchhaltevermögen und ein dickes Fell“, sagt Ludolf Fock vom Schaustellerverband. Das Erstaunliche: Viele Besucher haben das offenbar. „Dass viele Kollegen unserer Aufforderung gefolgt sind, den Weihnachtsmarkt etwas heimeliger zu gestalten, hat sich schon gelohnt“, erklärt  Fock.  Die überdachten Sitzgelegenheiten, die den Markt in diesem Jahr bereichern, sind  in diesen Tagen dicht besetzt – gerade wenn der nächste Schauer droht. 

Auch  die lustig aufgelegte Frauengruppe aus der Kita Nepomuk, die gestern den  Start in die Winterpause der Kita mit einem Bummel über den Markt verband, machte sich das zu Nutze. Als sich die himmlischen Schleusen wieder öffneten, flüchteten sie mit ihren Punschbechern flugs unter einen der überdachten Stehtische im Weihnachtsdorf, um auf das Jubiläum ihrer Kollegin anzustoßen. „Wir sind ja nicht aus Zucker“, kommentierten die Frauen die Frage nach dem Wetter. Die Robustheit mancher Besucher  kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Wetter kostet:   Stadtsprecher Stephan Beitz rechnet damit, dass die Stromkosten  der Eisbahn in diesem Jahr erneut deutlich über dem Schnitt von etwa 9000 Euro liegen.  Schlimmer noch: Weil    an vielen Tagen trotz der Eismaschinen das Wasser auf der Eisbahn stand, haben zahlreiche Schulklassen ihren Besuch abgesagt, was wiederum deutlich weniger  Gäste  für den Weihnachtsmarkt bedeutete.

Und eine Änderung ist leider auch nicht in Sicht:  Bis zum Ausklang des Marktes am  Dienstagabend um 20.30 Uhr soll es nass bleiben. Kleiner Trost für alle, die das Turmkonzert an Heiligabend ab 12 Uhr auf dem Großflecken erleben möchten:  Gleich mehrere Punschbuden  werden noch einmal öffnen, um etwas  zum Aufwärmen bereit zu halten.

STANDPUNKT

Glühwein im Regen

Kennen Sie noch den Schlager „Barfuß im  Regen“? 1970   eroberte Michael Holm  damit die deutschen Hitparaden. Der Text ist schnulzig, aber er hat eine klare  Ansage:  Glücksmomente und gemeinsamen Spaß in der Gruppe  lassen wir uns von nichts und niemandem nehmen – auch nicht vom Wetter! Okay, so kurz vor Weihnachten  sollten  wir vielleicht nicht barfuß loslaufen, dürfen uns aber  ansonsten  die Aufforderung durchaus zu Herzen nehmen. Im Ernst:  Auch bei Dauerregen (manche meinen sogar dann gerade) kann es durchaus Spaß machen, sich im Weihnachtsdorf oder an einem  der anderen   Punschstände gemeinsam zu vergnügen. Mit weißer Weihnacht wird’s in diesem Jahr ohnehin nichts mehr. Worauf  warten wir  noch?

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