Kleinkummerfeld : Der Tresor stand neben der Stube

Diesen Apfelbaum pflanzte Mieterin Hertha Kaukereit. Sie lebte 67 Jahre im Haus.
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Diesen Apfelbaum pflanzte Mieterin Hertha Kaukereit. Sie lebte 67 Jahre im Haus.

Seit 100 Jahren ist das Haus Mühlenstraße 1 in Kleinkummerfeld im Besitz der Familie Rebien. Am Sonntag gibt es ein Fest mit den Mietern.

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23. Juli 2014, 06:45 Uhr

Kleinkummerfeld | Wenn diese Wände reden könnten, hätten sie einiges zu erzählen. Im Herbst 1913 griff Gustav Rebien in Kleinkummerfeld-Bahnhof zur Schaufel und errichtete an der Mühlenstraße 1 zusammen mit vielen Freunden und Helfern ein Wohnhaus, das im Sommer 1914 bezugsfertig war. Exakt 100 Jahre später ist das Gebäude immer noch in Familienbesitz. Heute lebt dort sein Urenkel Udo Rebien (56) mit seiner Frau Petra. Am Sonntag soll dieses Jubiläum gefeiert werden. Eingeladen sind alle 50 ehemaligen Mieter.

Landwirt Gustav Rebien hatte bereits 1911 mit seinem Sohn Robert die Genossenschaftsmeierei mit Mühlenbetrieb gegründet. Er war außerdem Bürgermeister und Sparkassenrendant in Kleinkummerfeld. Und so zog, als das Haus fertig war, nicht nur das Gemeindezimmer, sondern auch die Spar- und Darlehnskasse dort ein. „Neben der Stube war ein Flur und dann ging es in das Geschäft“, sagt Udo Rebien. Das Geld lagerte in einem einfachen Tresor im Hinterzimmer.

Der Zustand änderte sich 1924. Aus der kleinen Sparkassenfiliale wurde ein Gemischtwarengeschäft. Auf 20 Quadratmetern verkauften Gustav und Robert Rebien und später dann Enkel Werner bis in die 1970er-Jahren alles von der Kartoffel über Käse bis zu Schrauben und Gasflaschen. Robert Rebien und seine Frau Caroline waren auch die ersten, die das Haus 1928 ausbauten und um einen Stall für zwölf Kühe, Schweine, Hühner und zwei Pferde erweiterten. „Seitdem wurde eigentlich immer an diesem Haus an- oder umgebaut“, sagt Udo Rebien. Und das nicht nur für die Familie: Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen auch fremde Mieter in die zunächst drei, heute vier Wohnungen ein. Eine der ersten war Hertha Kaukereit. Sie lebte 67 Jahre in dem Haus, bis sie vor zwei Jahren mit 96 Jahren starb. Ein Baum, den sie auf dem 3000 Quadratmeter großen Grundstück gepflanzt hat, hält Udo Rebien in Ehren. „Das war schon eine ganz besondere Mieterin“, sagt er. Erinnern kann er sich aber auch noch an die Familie mit den drei Kindern: Zu fünft lebten sie in zweieinhalb Zimmern ohne Bad.

„Wir hatten nie Probleme, die Wohnungen zu vermieten, und unsere Mieter sind immer lange geblieben“, sagt Udo Rebien. Der Vertriebsleiter für Wärmesysteme führt das auch auf die stetigen Modernisierungen zurück, die er gemeinsam mit seinem Bruder Jürgen und weiteren Familienangehörigen in Angriff nahm. „So ein Haus baut man nicht einmal, man baut es mehrmals, aber es ist eine lohnende Investition“, sagt er. Ob neue Treppen, Rolläden oder der Fassadenanstrich – zu tun ist auch heute in den vier 70 bis 190 Quadratmeter großen Wohnungen einiges.

Und wie es aussieht, bleibt das Haus Mühlenstraße 1 auch in Zukunft weiter im Familienbesitz Rebien. Zu den Mietern zählen momentan nämlich nicht nur zwei jungen Familien, auch Udo Rebiens Tochter Larissa (22) ist wieder eingezogen. Und Bruder Jürgen hat drei Söhne und eine Tochter. „Einer von denen wird das Haus weiterführen“, ist sich Udo Rebien sicher.

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