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Theater in der Stadthalle : Der Tod aus Sicht eines Kindes

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

„Schlafen Fische?“ des Kieler Autors Jens Raschke wurde im Theater in der Stadthalle aufgeführt

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2014 | 06:30 Uhr

Neumünster | Menschen sterben auf ungezählte Arten. Warum sterben manche Menschen früh? Hat man nach dem Tod Schmerzen? Warum stirbt man überhaupt? Ist der Tod gerecht? Diese existenziellen Fragen stellte am Dienstagabend im Theater in der Stadthalle Bettina Storm in der Aufführung „Schlafen Fische?“ des Kieler Autors Jens Raschke. 70 Zuschauer saßen im Rahmen der Theaterreihe Freiraum mit auf der Bühne und so im engen Kontakt zur Künstlerin.

In der Rolle der zehnjährigen Jette präsentierte die Kölner Schauspielerin in etwa eineinhalb Stunden die Trauerarbeit eines Kindes über den Tod des kleinen Bruders Emil. Eine weiße Holzbank, ein Blätterhaufen links, ein Mülleimer rechts und einen Schulranzen – mehr brauchte die ehemalige Kieler Werftpark-Schauspielerin nicht, um das Ein-Personen-Stück überzeugend darzustellen.

„Ich bin ein großer Fan von Monologen, das ist eine unterschätzte Gattung in Deutschland. Ich mag es, wenn mir etwas erzählt wird. Dann kann das Spielen ruhig zurücktreten“, erklärte der Dramaturg des Werftparktheaters Jens Raschke. Eine Aufführung lebt nicht nur vom „Was“ sondern vom „Wie“, und Bettina Storm hat schön erzählt. Die kindliche Stimme traf sie gut ohne lächerlich zu wirken, und besonders in den Momenten, in denen sie als Jette einen Erwachsenen nachsprach, merkte der Zuschauer die Breite ihrer Stimmqualität. „Sie hat toll geschauspielert und es war ihr nicht peinlich, ein junges Mädchen zu spielen“, befand die Zuschauerin Melanie (13), die extra aus Kiel kam.

Das Stück ist 2012 mit dem Mühlheimer Kinderstücke Preis ausgezeichnet worden, fasziniert aber aufgrund des „erwachsenen“ Themas auch die Großen: „Ich finde es interessant, das Thema Tod aus der Sicht eines Kindes zu erleben. Mal leicht und witzig dargestellt, mal traurig, so wie Kinder eben sind“, sagte Ute Gnewuch aus Kiel.

Die Idee kam dem Autor 2010, als er am Kieler Südfriedhof ein kleines, in sich gekehrtes Mädchen mit Gießkanne sah: „Das Thema Liebeskummer ist abgegrast, aber die Unbeantwortbarkeit der Fragen nach dem Tod aus kindlicher Perspektive finde ich spannend“, sagte er. Das findet auch ein EU-gefördertes Filmfestival in Mexiko-City – dahin fährt das Team in drei Wochen, um „Schlafen Fische?“ auf Deutsch aufzuführen.


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