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Neumünster : Der Tierpark muss kräftig sparen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Neues Preiskonzept: Im Winter weniger Eintritt, im Sommer mehr. Mähnenwölfe und Große Ameisenbären kommen voraussichtlich im Sommer

Neumünster | Über dem Tierpark stehen ein paar dunkle Wolken. Die Besucherzahlen und die Liquidität sind 2015 gesunken. Die beiden Tierpark-Chefinnen Verena Kaspari und Viola Effenberger kündigten am Montagabend auf der Jahreshauptversammlung der Tierparkvereinigung neue Wege an.

So soll das Konzept angepasst werden: Nach dem Heimattiergarten und dem europäischen Tierpark kommt nun der Exoten-Zoo mit südamerikanischer Ausrichtung. Die Kaiserschnurrbart-Tamarine sind schon eingezogen (der Courier berichtete), im Sommer sollen Mähnenwölfe und Große Ameisenbären das Wolfsgehege wieder mit Leben füllen. „Wir brauchen Alleinstellungsmerkmale, auch wenn es eine Herausforderung ist. Es hätte keinen Zweck gehabt, wieder klassische Wölfe zu holen, denn wir können nicht in Konkurrenz zu Eekholt mit seiner Wolfsmeile treten“, sagte dazu Verena Kaspari vor 57 Mitgliedern im Bistrorant. Mähnenwölfe, eine Hundeart, und Große Ameisenbären sollen nach Eingewöhnung zusammen die 1200 Quadratmeter große Anlage bewohnen. Das sei in Kontinentaleuropa einzigartig, sagte die Chefin.

Wie sehr Veränderungen nötig sind, zeigen die Zahlen. Gut 120  000 zahlende Besucher bedeuteten 2015 das schlechteste Ergebnis der vergangenen sieben Jahre. Die Einnahmen durch Eintrittsgelder sanken um fast 7 Prozent auf 740  000 Euro. Auch die Zahl der Mitglieder ging etwas auf 2218 zurück.

Und obwohl die Spenden und Nachlässe um 55 Prozent auf fast 203  000 Euro stiegen und der Verkauf im Shop um 13 Prozent auf gut 127  000 Euro anzog, fällt die Bilanz nicht rosig aus. Zwar konnten die Ausgaben von 1,02 Millionen Euro durch die Einnahmen von 1,07 Millionen mehr als ausgeglichen werden, aber durch Investitionen blieb am Ende ein Minus von 21  000 Euro. Die Liquidität sank auf gut 180  000 Euro. „Wir mussten noch Arbeiten am neuen Eingangsgebäude aus 2014 bezahlen“, sagte Schatzmeister Henning Wannagat.

Der Vorsitzende des Vereins, Dr. Klaus-Joachim Poweleit, gab die neue Marschrichtung vor: Renovierung statt Neubau, Einsparungen bei den Betriebskosten und ein neues Preissystem. Künftig müssen Besucher von November bis Februar 50 Cent bis 1 Euro weniger zahlen, bekommen dafür aber auch weniger geboten. Die Schaufütterungen werden werktags eingestellt; die Tierpfleger sollen sich dann anderen Aufgaben widmen. Das Bistrorant bleibt künftig nicht nur montags, sondern montags bis donnerstags geschlossen. „Der Aufwand lohnt sich für manchmal zehn Besucher am Tag einfach nicht“, sagte Poweleit. Zwischen März und Oktober steigen im Gegenzug die Eintrittspreise zwischen 50 Cent und 1,50 Euro. Hunde kosten künftig ebenfalls 1 Euro Eintritt.

Weitere Ideen soll eine Zukunftswerkstatt bringen – ein runder Tisch, an dem bekannte Persönlichkeiten Vorschläge erarbeiten. Als ersten Schritt hat dieser Kreis Fördermittel beantragt. Die sollen in behindertengerechte Spielgeräte, Führungen für Gehörlose und Blinde sowie die Aufforstung des Geisterwaldes gesteckt werden. Auch die Mitglieder des Tierpark-Vereins möchte das Führungs-Duo gerne mehr einbinden, zum Beispiel als ehrenamtliche Aufsicht im Affenhaus.

Zum Abschluss wurden Knut Ebel als 2. Vorsitzender, Henning Wannagat als Schatzmeister sowie im erweiterten Vorstand Brigitte Sprinckstub und Harry von Bülow einstimmig wiedergewählt. 

Kommentar von Thorsten Geil

Die Alarmglocken klingelnDie Jahresbilanz des Tierparks ist keine Katastrophe, aber richtig gut ist sie auch nicht. Die eine oder andere Alarmglocke sollte klingeln, wenn trotz hoher Einnahmen die Liquidität gesunken ist. Das Signal scheint bei den Verantwortlichen auch angekommen zu sein, denn sie haben sich offenbar Gedanken gemacht, wie die Lage wieder verbessert werden kann. Preiserhöhungen sind nie schön, aber im Vergleich zu anderen Tierparks sind die Eintrittspreise immer noch moderat. Die Gelder aus dem Verkauf des Kult-Eisbären Knut sind in das neue Empfangsgebäude geflossen und weg. Es ist müßig zu hinterfragen, ob das Geld gut angelegt ist. Aber es gibt zu denken, dass der Wildpark Eekholt 2015  doppelt so viele Besucher hatte wie der Tierpark.




 

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erstellt am 16.Mär.2016 | 07:15 Uhr

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