Orkantief : Der Sturm hielt Feuerwehr und Polizei in Atem

Große Löcher hinterließ „Elon“ an diesem Dach an der Christianstraße. Ziegel purzelten herab. Die Einsatzkräfte rückten an.
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Große Löcher hinterließ „Elon“ an diesem Dach an der Christianstraße. Ziegel purzelten herab. Die Einsatzkräfte rückten an.

Rettungskräfte verzeichneten über 50 Einsätze. Zugverkehr kam zum Erliegen

shz.de von
10. Januar 2015, 05:00 Uhr

Neumünster | Kurz nach 9 Uhr war es gestern mit der Ruhe vorbei. Sturm „Elon“, vor dem die Wetterexperten tagelang gewarnt hatten, wütete mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 75 Stundenkilometern aus Nordwest und mit heftigem Regen über der Stadt. Polizei und Feuerwehr hatten alle Hände voll zu tun, aber es blieb bei Sachschäden. Verletzt wurde niemand. Bis 14.30 Uhr zählte die Polizei 30 Einsätze. Die Feuerwehr rückte zwischen 11 und 14 Uhr 21 Mal aus. Meist gefährdeten herabgefallene Dachziegel, umgekippte Schilder und umstürzende Bäume die Sicherheit. An der Ecke Max-Johannsen-Brücke/Ilsahl flog sogar ein ganzer Altkleidercontainer auf die Straße. Auf den Sammelplätzen wurden außerdem diverse Tannenbäume zu Spielbällen des Sturms.

An der Hebbelstraße und am Pestalozziweg kippten große Bäume auf die Fahrbahn und mussten zersägt werden. Am Kuhberg und an der Christianstraße fielen Dachziegel herab. Die Feuerwehr rückte mit der Drehleiter an, und die Polizei sperrte die Umgebung ab. An der Jungmannstraße riss der Sturm große Teile Teerpappe von einem Gebäude.

Aus Sicherheitsgründen sagte die Stadt gestern gegen 11 Uhr und somit zwei Stunden vor dem offiziellen Ende den Wochenmarkt auf dem Großflecken ab. „Wir haben es den Marktbeschickern freigestellt, ob sie abbauen wollen“, erklärte Stadtsprecher Stephan Beitz. Viele Händler, besonders diejenigen mit zeltähnlichen Aufbauten an ihren Ständen, waren ohnehin gar nicht gekommen. Nur rund zwei Drittel der Anbieter waren vor Ort. Und auch viele Kunden blieben bei dem Wetter offenbar lieber zu Hause. Nicht so Astrid Marckmann (72) aus Wittorf. „Ich bin jede Woche hier. So was kann uns hier im Norden doch nicht erschüttern“, kommentierte sie den Sturm und empfahl: „Kapuze statt Regenschirm – dann geht das.“ Obsthändler Lotar Baumgarten (68) aus Haseldorf (Kreis Pinneberg) hingegen war froh, als er abbauen konnte. „Der letzte Schauer hat uns den Rest gegeben“, sagte er, stapelte seine Ware im Lastwagen und fuhr heim. Der Markt am Nachmittag in Tungendorf fiel komplett aus. Heute wollen die Händler auf dem Großflecken aber wieder ihre Ware anbieten.

Die Hoffnung mancher Schüler erfüllte sich nicht: Sie mussten planmäßig zum Unterricht gehen. „Wir mussten keine Schule schließen“, erklärte Schulrat Jan Stargardt. Bei extremen Wetterlagen liege es aber immer im Ermessen der Eltern, ob sie ihre Kinder zuhause ließen, hieß es.

Gegen 11 Uhr wurde es auch auf der Großbaustelle der Holsten-Galerie wackelig. Mehrere Absperrungen kippten um. Am Durchgang zwischen Kuhberg und Kaiserstraße geriet ein Baugerüst in Schieflage. Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes Hauschildt und Blunck sperrten den Fußweg an der Commerzbank, während das Gerüst wieder stabilisiert wurde. „Die Sperrung ist eine Sicherheitsmaßnahme, falls das Gerüst ganz umkippt“, sagte Wachmann Stefan Littgen (38). „Größere Schäden sind uns aber nicht bekannt. Wir sind schon am Donnerstag herumgegangen und haben gecheckt, ob an allen Bauzäunen die Gewichte an den Zaunfüßen dran sind“, sagte ECE-Projektleiter Eberhardt Sturm. Die Kräne waren gestern nicht im Betrieb und wurden standardmäßig zu „Freischwingern“: Sie drehten sich frei so in den Wind, dass sie dem Wind minimale Angriffsfläche boten. Die maximal 60 Meter hohen Kräne haben zwischen 20 und 40 Tonnen schwere Fundamentplatten als Ballast an ihren Füßen.

Der Zugverkehr wurde um 11 Uhr fast im ganzen Land eingestellt, weil Bäume in Oberleitungen und auf die Gleise gestürzt waren. So fiel auch kurz vor dem Bahnhof auf Höhe der Wasbeker Straße zum Beispiel eine Birke in die Oberleitung und musste zersägt werden. Bis 15 Uhr fuhren weder von noch nach Neumünster Züge, danach gab es bis in den Abend noch viele Verspätungen und Ausfälle. „Wir sind mit allen verfügbaren Kräften unterwegs und arbeiten mit Hochdruck an der Räumung“, sagte Bahnsprecherin Angelika Theidig am Nachmittag.

Laut „Internetwetter.de“ war gestern in Gadeland um 10.51 Uhr das erste Sturmmaximum mit Böen bis zu 75 Stundenkilometern erreicht. Für den heutigen Sonnabend wird der Mittag und Nachmittag als Orkan-Hochphase vorhergesagt.

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