zur Navigation springen

Neue Heimat : Der steinerne Soldat musste erneut umziehen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Ehrenmal des früheren Infanterie-Regiments 163 aus Neumünster hat jetzt seinen Platz in Eckernförde gefunden. Es ist der siebte Standort in 93 Jahren.

Neumünster/Boostedt/Eckernförde | Heldenverehrung – Hassobjekt – Mahnmal für den Frieden: Kaum ein Denkmal verkörpert das sich wandelnde geschichtliche Verständnis so wie das Ehrenmal des Schleswig-Holsteinischen Infanterie-Regiments Nr. 163. Es gedenkt der 2693 im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten des Regiments, das von 1897 bis 1918 in der (späteren) Sick-Kaserne stationiert war.

Der vom Berliner Bildhauer Ludwig Isenbeck geschaffene trauernde Soldat hat eine buchstäblich bewegte Geschichte. Er wechselte allein sechs Mal seinen Standort und steht heute in der Preußer-Kaserne in Eckernförde. Aufgestellt war das Ehrenmal ursprünglich am Kuhberg vor dem alten Courier-Haus. Zur feierlichen Einweihung am 21. Mai 1922 kamen tausende Neumünsteraner Bürger. 1955 wurde das Denkmal erstmals umgesetzt. Weil die Kieler Brücke an der Europastraße 3 umgestaltet wurde, kam der Stein-Soldat in Rencks Park.

Hier wurde er Ende der 1970er-Jahre immer wieder mit Farbe beschmiert und beschädigt. Es war die Zeit der Proteste gegen den Nato-Doppelbeschluss. Die Stadt wollte das Denkmal schon wegen Baufälligkeit abreißen lassen, übergab es dann aber auf Anregung des damaligen Obersten Ehrenfried Boege 1988 per Ratsbeschluss an die Bundeswehr. Am 6. Juli 1989 wurde es nach seiner Restaurierung in der Sick-Kaserne wieder aufgestellt. 1990 schenkte die Stadt das Denkmal ganz offiziell dem Bund.

1994 stand der nächste Umzug an. Die Sick-Kaserne wurde geschlossen, der Soldat fand seine Heimat in der Hindenburg-Kaserne, bis auch die 2003 schloss. Das bedeutete zugleich das Aus Neumünsters als Garnisonsstadt und einen weiteren Umzug des Denkmals nach Boostedt in die Rantzau-Kaserne. Hier stand der Soldat bis 2008 zunächst vor dem Stabsgebäude, dann in einer Gedenkanlage.

Nach dem Auflösungsappell in der Rantzau-Kaserne trat der Soldat im Juni 2015 seine vorerst letzte Reise nach Eckernförde an. Er steht jetzt in der Preußer-Kaserne der Marine. „Das Ehrenmal steht repräsentativ in unserer Kaserne und wird durch uns gepflegt und gehegt“, sagt der Kommandeur des Seebataillons, Fregattenkapitän Arne Krüger.

Es gebe auch einen historischen Bezug. Das Seebataillon ist die letzte Infanterieeinheit in Schleswig-Holstein. Und schon zu Kaisers Zeiten kamen die Soldaten des Seebataillons auch aus Heereseinheiten wie dem Infanterieregiment 163 aus Neumünster.

Aus statischen Gründen steht der Soldat in Eckernförde aber nicht mehr auf seinem Sockel. Zwischen Sockel und Figur steht ein ebenfalls aus Boostedt stammender Stein, der an die Gefallenen der beiden Weltkriege erinnert. Dr. Jann Markus Witt ist Historiker des Deutschen Marinebundes am Ehrenmal in Laboe und findet Isenbecks Gestaltung im Vergleich mit anderen zeitgenössischen Denkmalen sehr zurückhaltend, da sie auf jegliche Form der Heroisierung verzichte. Ergänzt wird das Ensemble durch einen Gedenkstein für die Gefallenen der Bundeswehr. „So entsteht ein geschlossenes Bild. Alles wird aktuell von Historikern beschriftet, in den Traditionserlass der Bundeswehr eingeordnet und kommentiert“, sagt Krüger.

Rolf Postel hätte das Denkmal dennoch lieber zurück in Neumünster gesehen. „Mein Vorschlag war immer ein Platz auf dem Südfriedhof bei der Gedenkanlage für die Bombenopfer des Zweiten Weltkriegs“, sagt der ehemalige Leiter der Truppenverwaltung bei der Panzerbrigade 18. Postel ist Autor zahlreicher Beiträge zur Militärgeschichte und beruft sich auf den verstorbenen Stadtpräsidenten Friedrich-Wilhelm Strohdiek. „Auch er sagte immer: ‚Das Denkmal muss nach Neumünster zurück‘“, so Postel.

„Der Stadtpräsident hatte das Thema zur Chefsache gemacht. Durch seinen Tod blieb es unbearbeitet zurück“, vermutet Christiane Wilbrandt von der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt. In Neumünster habe man in Abstimmung mit dem Fachdienst Grünflächen auch einen Standort an der früheren Sick-Kaserne überlegt. Auch der Friedenshain sei in die nähere Auswahl gekommen. Der von Rolf Postel vorgeschlagene Friedhof kam weder für die Stadtverwaltung noch für den Denkmalschutz in Frage. Das Verfahren lief dann aber ohne Beteiligung der Stadt.

Thorben Pries, der Büroleiter von Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras, nennt eine weitere Facette der Geschichte. „Es geht nicht nur um das Kriegerdenkmal, sondern auch um sieben Bataillonssteine und Überlegungen, diese eventuell im Friedenshain aufzustellen“, so Pries. Und Stadtpräsident Strohdiek sei vor allem an einer Bärenskulptur des Neumünsteraner Bildhauers Georg Fugh gelegen gewesen. An diesem Thema sei die Stadt auch noch dran. „Wir verhandeln hier mit der Bima, der Immobiliengesellschaft des Bundes. Denn dem gehört die Skulptur“, so Pries.

 

 

zur Startseite

von
erstellt am 06.Aug.2015 | 07:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen