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Kinobühne : Der schwierige Start in einem neuen Land

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In der Kult-Reihe wurden zwei Filme gezeigt, in denen Flüchtlinge porträtiert werden

Neumünster | Ursprünglich war die vorletzte Saison-Veranstaltung der Kinobühne mit insgesamt 160 Karten ausverkauft. Ein paar wenige Plätze blieben am Dienstagabend allerdings frei, denn der Sturm hatte wohl einige Gäste vom Besuch des Theaters abgehalten. Das galt nicht für die Kieler Regisseure Helmut Schulzeck und Fredo Wulf, die ihre neuesten Produktionen vorstellten.

Schulzeck interviewt in seinem Film „Manchmal denk’ ich jetzt auf Deutsch“ drei Kenianerinnen, die auf verschiedenen Wegen nach Deutschland kamen und inzwischen hier verheiratet sind.

Die Kenianerin Iren war sogar mit in Neumünster. Sie sprach im Film auch über Vorurteile auf beiden Seiten – etwa darüber, dass viele Afrikaner glaubten, die Deutschen seien alle Rassisten. „Ich habe sie friedlich erlebt. Alle hier sind freundlich zu mir“, sagte die Neu-Kielerin. Einige typisch deutsche Tugenden habe sie schon verinnerlicht: Früher habe sie täglich zwei Stunden telefoniert. „Aber das ist Zeitverschwendung“, sagte sie jetzt. Die Kenianerin gestand gestand aber auch, ebenso wie Lilian und Susan, dass sie nach Europa wollte, um ein besseres Leben zu haben.

Alle drei Frauen sprachen auch über ihre anfänglichen Schwierigkeiten bei der Anpassung. „In Kenia geht niemand spazieren. Da musste ich ganz schön agitieren“, meinte Matthias, der Ehemann von Lilian. „Die fremde Sprache und keine Ahnung zu haben, wie die Regeln sind, das war schon schwer“, erinnerte sich Susan, die eine Ausbildung als sozialpädagogische Assistentin macht und nebenbei das Abitur anstrebt.

Der zweite Film „Ich habe einen Traum“ von Fredo Wulf zeigte ein interkulturelles Theaterprojekt von Schülern einer Kieler Gemeinschaftsschule mit jungen Flüchtlingen. Gemeinsam arbeiteten sie auf der Bühne die unterschiedlichen Erfahrungen auf – von Flucht, Vertreibung, Not und Tod auf der einen Seite sowie vom Weltmeistertitel im Boxen, einer Karriere als Modedesigner oder einer intakten Familie mit Kindern bei den Deutschen.

Es war herrlich zu erleben, wie die Flüchtlinge mit Mut und Charme versuchten, ihre Sprachbarrieren zu überwinden. „Ich glaube an die Liebe unter den Menschen“, war ihre gemeinsame Botschaft. Wulf forderte die Zuschauer auf: „Macht Projekte mit Flüchtlingen. Sie leiden darunter, dass sie keine Kontakte zu Deutschen haben.“ Hinzuzufügen ist aber auch unbedingt: Sie leiden auch, weil sie von ihren Familien getrennt sind.

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