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Aktionstag : Der schwere Kampf gegen die Depression

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

80 Interessierte informierten sich im Krankenhaus über die Facetten der neuen Volkskrankheit

von
erstellt am 27.Mär.2015 | 15:59 Uhr

„Gemeinsam gegen Depressionen“ – Unter diesem Motto tauschten sich Fachleute, Ärzte und Betroffene auf einem Forum im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) aus. Rund 80 Interessierte informierten sich über die „neue“ Volkskrankheit, an der aktuell rund vier Millionen Menschen in Deutschland erkrankt sind.

„Das Interesse an dieser Veranstaltung war sehr groß. An der Anzahl der Nachfragen gemessen steht das Thema noch vor der Sucht- oder Schmerzhilfe“, berichtete Andrea Osbahr vom DRK.

Doch allein die Diagnose einer Depression birgt viele individuelle Aspekte, die oft nicht leicht zu erkennen und einzuordnen sind. Diesen Umstand unterstrich auch Dr. Rolf Drews, leitender Facharzt der Psychiatrie im FEK, in seinem Vortrag. Neben den inneren Ursachen einer Depression erkranken viele auch in Krisen, nach traumatischen Erlebnissen oder aufgrund starker Überforderung. Letztlich eine passende Behandlungsmethode zu finden, sei deshalb oft ein langwieriger Prozess, erläuterte der Fachmann.

„Es braucht hier unbedingt den Arzt sowie gegebenenfalls einen Therapieplatz. Die Selbsthilfegruppe kann und soll kein Ersatz hierfür sein“, erklärte dazu Andrea Osbahr.

Über das Leben mit Depressionen berichtete die Autorin und Betroffene Tanja Salkowski aus Lübeck in einer Lesung aus ihrem Buch „Sonnengrau“. „Die Teilnahme von Tanja Salkowski war insbesondere für die Angehörigen wichtig, da diese oft jahrelang in der Sorge um den Erkrankten gefangen sind. Denn für den Depressiven gibt es im Gegensatz zu jemandem der traurig ist, keinen Trost. Und das macht oft hilflos und handlungsunfähig“, erklärte Osbahr.

Bestätigt wurden Salkowskis Berichte von Ingrid Brandt (59) und Angelika Behrendt (56). Beide Frauen sind seit Jahren an Multipler Sklerose (MS) erkrankt und leiden in der Folge davon an Depressionen. „Ich habe mich in den Erzählungen oftmals wiedergefunden. Bei mir hat es sechs Jahre gedauert, bis ich eine Therapie gemacht habe. Unterstützt haben mich zudem zwei Freundinnen, die mich mit regelmäßigen Terminen sozusagen heilsam unter Druck gesetzt haben“, erzählte Ingrid Brandt, die bis zu ihrer MS-Erkrankung ein Kinderheim in Bordesholm leitete.

Ebenfalls auf Freunde baut Angelika Behrendt. „Ich hatte ja als Krankenschwester Ahnung von dem, was mit MS auf mich zukommt. Deshalb bin ich in ein großes Loch gefallen. Auslöser der Depression waren jedoch Medikamente. Ich habe ein Jahr gebraucht, um sie einigermaßen zu überwinden. Aber noch heute müssen mich Freundinnen manchmal abholen, um mich wieder einmal richtig zu lüften“, berichtete die Neumünsteranerin lächelnd.

Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst war ebenfalls das Thema der Pädagogin Margitta Schwarz, die den Zuhörern einige Tipps gab, um sich zu fokussieren und so mehr Ruhe in ihren Alltag zu bringen. Die Übung des Erlebens eines Nusskerns mit allen Sinnen sorgte dabei allerdings nicht nur für allgemeine Heiterkeit, sondern auch für kleine, gesunde Aha-Erlebnisse. „Denn, das Hamsterrad dreht sich im Alltag sehr schnell. Doch sich die Zeit zu nehmen, eine Sache bewusst wahrzunehmen, kann uns lehren, nicht aus dem Rad herauszufliegen oder es etwas langsamer drehen zu lassen“, erklärte Margitta Schwarz. Dies sei eine Form der Selbstfürsorge, die jeder Mensch brauche, um gesund zu bleiben, lautete ihre These, die unter den Zuhörern große Zustimmung fand.





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