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Holsteinischer Courier

17. Oktober 2017 | 19:13 Uhr

Der Rollator, Mutter und ich

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

von
erstellt am 30.Aug.2013 | 00:33 Uhr

Der Rollator ist eine segensreiche Erfindung. Doch bis man diesen im Alter nutzt, müssen von manchen Menschen einige Hürden überwunden werden.

Meine Mutter war 90 Jahre alt und wehrte sich strikt, den Rollator trotz Gehschwierigkeiten zu nutzen. Auch der Rat des Arztes konnte sie nicht überzeugen.

Ohne ihr Wissen ließ ich einen Rollator verschreiben und legte diesen in den Kofferraum meines Autos.

Beim wöchentlichen Besuch auf dem Friedhof gingen meine Mutter und ich etwa 50 Meter, als ich merkte, dass ihr das Gehen schon schwerfiel. Ich ging zurück und holte den Rollator. Als meine Mutter diesen erblickte, ging das Gezetere los: „Ich kann noch ohne gehen, ich muss mich erst nach dem langen Sitzen im Auto einlaufen!“

Ich ließ nicht locker! Mit dem Argument meinerseits: „Hier auf dem Friedhof kennt dich doch niemand, probier’ es doch einmal!“ Sie ließ sich überzeugen und ging los.

Der Gesichtsausdruck löste sich, sogar ein Lächeln war zu erkennen. Mutti sagte kein Wort! Als wir am Grab ankamen, sagte meine Mutter etwas, was ich nie vergessen werde: „Gut, dass du so stur warst und den Rollator besorgt hast. Ich habe nicht geglaubt, dass man damit so entspannt gehen kann.“ Seit diesem Tag war der Rollator der beste Freund. Er durfte sie sogar beim Einkaufen begleiten, obwohl sie dort einige Bekannte traf.

Später erzählte sie mir, dass sie immer der Meinung war, wenn man einen Rollator benutzt, gehöre man zum „Alten Eisen“ und würde von den Mitmenschen nicht mehr für voll genommen. Diese Ansicht sei ja wohl der größte Blödsinn!


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