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Stadtentwicklung : Der Rockertreff wird zum Parkplatz

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Clubsitz der „Contras“ an der Gasstraße ist inzwischen eingeebnet. Immobilienmakler Martin Lorenzen fordert mehr Engagement gegen Schmuddelecke

Neumünster | Parker statt Rocker. Aufmerksame Beobachter der Szene werden es längst bemerkt haben: Der ehemalige Rockertreff der „Contras“ an der Gasstraße ist verschwunden. Der Neumünsteraner Investor und Vermieter Andreas Stühmer hat das Gebäude gekauft und inzwischen abreißen lassen. Jetzt drängen er und Makler Martin Lorenzen auf ein stärkeres Engagement der Stadt, das bahnhofsnahe Quartier insgesamt wieder aufzuwerten.

Zuletzt hatte das abbruchreife Haus an der Gasstraße 8 im November vergangenen Jahres für Furore gesorgt. 110 Rocker feierten dort das fünfjährige Bestehen der „Contras Neumünster“, einer Unterstützergang der verbotenen „Bandidos“, die sich mit den berüchtigten „Hells Angels“ immer wieder blutige Fehden lieferten. Ein Großaufgebot der Polizei begleitete die Party, durchsuchte die Gäste und fotografierte vorsorglich mitgebrachte Insignien und Erkennungszeichen, die sie der rechtsradikalen Szene zurechnet. Es war bereits das zweite Großtreffen der „Contras“ an der Gasstraße, die sich in dem abbruchreifen Haus regulär eingemietet hatten.

Als kurz darauf bekannt wurde, dass dessen Hamburger Besitzer sich von der Immobilie trennen wollte, schrillten im Rathaus offenbar die Alarmglocken: Es bestand die Gefahr, dass die Contras das Gebäude selbst übernehmen und sich der Rockerclub damit an exponierter Stelle in der Innenstadt auf Dauer festsetzen könnte.

Im Rathaus wollte man das verhindern und suchte nach einer Alternativlösung: „Ich bin aus dem Rathaus gefragt worden, ob ich nicht einen Käufer wüsste“, sagt Martin Lorenzen. In Andreas Stühmer fand er einen potenziellen Interessenten: „Ich habe lange überlegt, aber das Areal hat Entwicklungspotenzial“, begründete Stühmer jetzt gegenüber dem Courier seinen Entscheidung. Seine Kontakte in die Wohnungswirtschaft halfen, seinen Mietern, dem Rockerclub, einen alternativen Clubsitz auf dem Lande anbieten zu können. Wo, will Stühmer nicht verraten: „Wir haben mit den ‚Contras‘ fair verhandelt, es gab keine Schwierigkeiten“, sagt der Investor, der sich auf die Sanierung schwieriger Immobilien spezialisiert hat. Unter anderem hat Stühmer am Brunnenkamp mehrere Häuser grundsaniert und neu vermietet.

Nach Informationen des Couriers haben die „Contras“ ihren neuen Clubsitz in Loop aufgeschlagen, wo sie an diesem Wochenende ihren sechsten Geburtstag feiern wollen.

Das abbruchreife Gebäude an der Gasstraße hat der neue Eigentümer inzwischen abreißen lassen, das rund 2000 Quadratmeter große Gelände wurde zum Parkplatz umgestaltet. Dabei werde es auf absehbare Zeit auch bleiben, bis man wisse, wie sich das Umfeld entwickle, kündigte Stühmer an.

Martin Lorenzen nutzte gestern die Gelegenheit, die Stadt jetzt zu stärkerem Engagement im Kampf gegen die Schmuddelecken am Bahnhof aufzufordern. Mit der Entwicklung des Hauses Kuhberg 1-3 gegenüber vom Bahnhof gebe es bereits den ersten Impuls durch private Investoren. Die Stadt müsse jetzt die Rahmenbedingungen verbessern, um die Revitalisierung weiter voranzutreiben. „Ich frage mich, warum das Quartier noch nicht Sanierungsgebiet ist“, sagte Lorenzen.

Ausdrücklich bedauert der Makler die Entscheidung des Bauausschusses, die Pläne für einen Verbrauchermarkt auf dem Wigger-Gelände an der Kieler Straße grundsätzlich abzulehnen. Die Entwicklungschancen des ganzen Quartiers wurden damit empfindlich geschwächt, sagte Lorenzen.

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erstellt am 13.Nov.2015 | 08:00 Uhr

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