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Mensch des Jahres : Der Ratsherr, der ein Leben rettete

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Beim Ausflug an der Ostsee zog Peter Cleve (56) eine bewusstlose Frau aus den hohen Wellen. Sein Kommentar:„Das hätte doch jeder getan“

von
erstellt am 08.Nov.2014 | 07:00 Uhr

Neumünster | Peter Cleve, 1,90 Meter groß, breites Kreuz, sonorer Bass, ist normalerweise nicht auf den Mund gefallen. Als Ratsherr des Bündnises für Bürger (BFB) weiß der gelernte Kaufmann durchaus seine Stimme einzusetzen. In der Septembersitzung der Neumünsteraner Ratsversammlung blieb er dennoch außergewöhnlich still, als er überraschend selbst zu einem außergewöhnlichen „Tagesordnungspunkt“ wurde.

Stadtpräsident Friedrich-Wilhelm Strohdiek zitierte aus dem Brief eines Trappenkampers an das Stadtoberhaupt. Am Anfang des Schreibens steht eine Frage: „Wissen Sie eigentlich, was für tolle und selbstlose Bürger in Neumünster wohnen?“ Am Ende steht ein bewegender Dank: „Peter Cleve hat meine Freundin Jasmin durch seinen Einsatz vor dem sicheren Tod durch Ertrinken gerettet. Auch auf diesem Wege möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei ihm bedanken.“

Während Peter Cleve sich in diesem Moment offenbar lieber woanders hin wünschte, erhob sich die Ratsversammlung geschlossen zur stehenden Ovation von den Sitzen. So eine Werbung für Neumünster gibt ’s schließlich nicht alle Tage!

Peter Cleve selbst möchte die ganze Geschichte auch heute noch lieber kleinreden: „Das hätte doch jeder gemacht!“ Aber dann erzählt der kräftige Wuppertaler, der über die Bundeswehr nach Neumünster kam und hier seine große Liebe fand, doch:

Cleve war an diesem schicksalhaften Sonntag mit seiner Lebensgefährtin Brigitte Acksel zum Baden nach Kalifornien an die Ostsee gefahren. Am Strand kommen sie per Zufall neben dem Trappenkamper zu sitzen, der Wochen später voller Dankbarkeit den bewegenden Brief an den Neumünsteraner Stadtpräsidenten schreiben wird. Der Mann ist mit seiner Freundin Jasmin (27) und deren siebenjähriger Tochter am Strand. Über den Hund der Tochter kommt man miteinander ins Gespräch, wechselt ein paar freundliche Worte, bevor man sich wieder den eigenen Dingen zuwendet.

Irgendwann am Nachmittag will Cleve die jetzt schon gut aufgefrischte Brandung noch einmal ausnutzen. „Ich liebe die See bei fast jedem Wetter“, sagt der Tungendorfer. Er stürzt sich in die Brandung und schwimmt ein kleines Stück hinaus. Als er sich umdreht, sieht er nur wenige Meter neben sich eine Schwimmerin, die sich merkwürdig verhält. Mit jedem Wellenschlag taucht sie mit ihrem Zöpfen kurz unter.

Schlagartig wird Peter Cleve klar, dass da etwas nicht stimmen kann. Der kräftige Tungendorfer schwimmt mit schnellen Zügen auf die Frau zu, versucht sie schon von Weitem anzurufen. Als sie nicht antwortet, dreht er sie auf den Rücken, hebt ihren Kopf aus dem Wasser, aber die Frau reagiert nicht. Der 56-jährige Vater von sechs erwachsenen Kindern zögert nicht lange und packt entschlossen zu. So schnell wie möglich will er sie jetzt an Land ziehen. Es geht um Minuten, das ist Cleve klar.

Noch heute wundert er sich, warum er nur so zäh vorankommt: „Es ist unglaublich schwer, einen erwachsenen Menschen gegen die See über die Wellen zu bugsieren“, sagt der 1,90-Meter-Mann in einer Mischung aus Entschuldigung und Bewunderung für alle Rettungsschwimmer dieser Welt. Die Rückkehr zum Strand wird auch für den durchtrainierten Schwimmer zu einem wahren Kraftakt.

Irgendwann bekommt er dann doch Boden unter die Füße, von da an geht es schneller. Am Strand kommt ihm sein Strandnachbar entgegengelaufen. Erst jetzt erkennt Cleve die bewusstlose Frau, mit der er kurz zuvor am Strand noch nett geplaudert hat. Gemeinsam unternehmen die Männer Wiederbelebungsversuche. Cleve ist sich sicher: „Es war Andreas, der sie schließlich so gedrückt hat, dass sie mit einem Schwall das Wasser ausgespuckt hat.“

Wie es zu dem Unglück kam, ist den Beteiligten, die sich inzwischen duzen, bis heute nicht ganz klar. Vielleicht durch einen heftigen Wellenschlag gegen den Kopf hatte die 27-Jährige im Wasser offenbar das Bewusstsein verloren. Zum Glück war Peter Cleve zum rechten Zeitpunkt am rechten Ort, um das Richtige zu tun. Auch wenn das, wie er meint, ja jeder getan hätte.

Am Montag stellen wir den zweiten Kandidaten zur Wahl Mensch des Jahres vor: Dirk Kleinschmidt – gute Seele der Strafgefangenen.

Gesucht wird: Neumünsters Mensch des Jahres 2014

Egoismus und Eigennutz bestimmen die Welt um uns herum. Aber ist das wirklich so? Wer genauer hinsieht, entdeckt auch die guten Seelen, Menschen, die  sich für andere oder eine gute Sache einsetzen, ohne dabei  an den eigenen Vorteil zu denken oder auch nur viel Aufhebens darum zu machen.  Der Courier will helfen, die Leistung dieser Menschen zu beleuchten – und  ruft zur  Wahl   auf: Gesucht wird der Mensch des Jahres 2014. Die Redaktion schlägt dazu vier engagierte Menschen aus Neumünster und dem Umland vor, die sich in diesem Jahr hervorgetan und sich auf ganz unterschiedliche Weise für ihre Mitmenschen eingesetzt haben. Unsere Leser entscheiden, wer „Mensch des Jahres“ des Holsteinischen Couriers wird und damit an der landesweiten Ausscheidung unseres Zeitungsverlags teilnimmt.

Es gibt drei Möglichkeiten der Abstimmung:

1. Mit dem Coupon auf dieser Seite

2. Per Telefon. Wählen Sie die Nummer 01375/ 80400678 und direkt anschließend die Nummer des  Kandidaten:

01 Peter Cleve

02 Dirk Kleinschmidt

03 Traute Leschke

04 Horst Schrinner

(für 14 Cent pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunk deutlich teurer)

3. Per SMS  mit dem Inhalt „shz hc“ und der Kandidatennummer (also zum Beispiel shz hc 01) an die Nummer 42020 (Kosten tarifabhängig, wie eine normale SMS).

4. Im Internet unter www.shz.de/menschendesjahres

Die Abstimmung läuft vom 8. November, 0.01 Uhr, bis 23. November, 23.59 Uhr.

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