Rathausturm : Der Prüfstatiker gibt das Gerüst nicht frei

Vier Tonnen schwer und 24 Meter hoch: Das Baugerüst am Rathaus wird weiter  auf seine Standfestigkeit hin geprüft.
Vier Tonnen schwer und 24 Meter hoch: Das Baugerüst am Rathaus wird weiter auf seine Standfestigkeit hin geprüft.

Seit 150 Tagen ist das Türmchen umzäunt. Ein Ende ist noch nicht in Sicht.

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31. Juli 2014, 05:00 Uhr

Neumünster | Passanten am Rathaus strecken im Vorbeigehen die Köpfe nach oben: Ja, es steht noch. Das Gerüst, das zur Sanierung des Rathausturmes aufgestellt wurde und langsam zum traurigen Wahrzeichen wird, ist ein Hingucker – und wird es auch noch weiter bleiben.

Der Grund: Prüfstatiker Christian Groth prüft und prüft und prüft. Anscheinend zweifelt der Bauingenieur vom Neumünsteraner Büro Groth und Bruhn weiterhin an der Stabilität des vier Tonnen schweren Gerüsts. Eigentlich hatte der Fachdienstleiter für Gebäudewirtschaft im Rathaus, Ralph-Joseph Schnittker, schon vor zwei Wochen mit dem endgültigen Bericht gerechnet.

Bereits Anfang Mai hatte Groth gegenüber dem Courier die Arbeit der Gerüstbaufirma Ebsen aus Schacht-Audorf bemängelt: „Es gab eklatante Mängel bei der Bauausführung.“ Im schlimmsten Fall hätte das Gerüst sogar einstürzen können. Die besondere Herausforderung besteht darin, dass ein wesentlicher Teil des Gerüsts nicht direkt an der Hauswand verankert werden kann, sondern frei steht (der Courier berichtete).

Seit Mai wurde immer wieder nachgebessert, geprüft, nachgebessert und wieder geprüft. Der Prüfstatiker forderte, die Gerüstbaufirma setzte noch mehr Verankerungen ein, und die Stadt berichtete an den Prüfstatiker. Zuletzt hatte die Bauaufsicht Ende Juni neue Unterlagen an Groth übermittelt. Ralph-Joseph Schnittker, rechnete da schon fest mit dem Ende der Rathaus-Odyssee. Anfang Juli wollte er einen Zeitplan für die Fertigstellung der Baustelle im Bauausschuss bekannt geben. Doch daraus wurde nichts.

Im Rathaus ist man der Meinung, alles mögliche unternommen zu haben, um den Baufortschritt voran zu treiben. „Wir haben alle Auflagen erfüllt und warten auf den Prüfstatiker“, erklärte Stadtsprecher Stephan Beitz gestern. Zur Eile drängen wolle man den Ingenieur aber natürlich nicht: „Sicherheit geht vor“, so Beitz.

Ursprünglich sollte das Projekt seit Ende Mai abgeschlossen sein, aber bis heute hat noch kein Zimmermann einen Fuß auf die Baustelle gesetzt. Im Rathaus herrscht trotzdem Gelassenheit. Denn finanziell hat man sich vertraglich abgesichert. Es entstehen keine zusätzlichen Kosten durch die Verzögerung. Die Verantwortlichen machen erst einmal Urlaub. Es muss ja so oder so gewartet werden.

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