Seniorenmagazin : Der Plastikbaum hat Vorteile

Voll, gerade und fest installiert: Am künstlichen Tannenbaum muss nicht  herumgeruckelt werden.
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Voll, gerade und fest installiert: Am künstlichen Tannenbaum muss nicht herumgeruckelt werden.

Da scheiden sich die Geister: Muss der Weihnachtsbaum eine echte Tanne aus dem Wald sein?

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29. November 2013, 17:00 Uhr

Die vor uns liegende Weihnachtszeit gibt uns die Möglichkeit zu einer familiären oder auch außerfamiliären Diskussion der besonderen Art. Es geht um das Für und Wider eines Plastiktannenbaumes in unseren Wohnzimmern.

Kunstkränze, Kunstzweige, Kunstgirlanden haben ja längst Einzug gehalten und bescheren uns mit LED-Lichtern heimelige Plastik-Atmosphäre ohne Brandgefahr. Eine von mir vor längerer Zeit dazu vorgenommene Meinungsumfrage hat ergeben, dass alle befragten Personen – hauptsächlich Frauen, die für die nostalgische Ausrichtung des Weihnachtsfestes in der Familie hauptverantwortlich sind – sich gegen einen Plastiktannenbaum ausgesprochen haben. Die Palette der Abneigung reichte von „scheußlich“ über „igitt“, „undiskutabel“, „Romantikkiller“ bis hin zu der Aussage, dann doch lieber ganz auf einen Weihnachtsbaum zu verzichten.

Bei den befragten Herren kam zwar die praktische Seite zum Vorschein, die ihnen den Stress ersparte, die Tanne zu finden, die alle vorherigen in den Schatten stellte, und sie nicht mit der Axt in der Hand und der kritischen Familie im Schlepptau durch den Wald jagte. Letztendlich war aber auch aus diesem Personenkreis ein eindeutiges „Nein“ zu hören.

Halten wir uns das Für und Wider eines Plastiktannenbaumes doch einmal vor Augen. Die Vorteile liegen zunächst in seinem Anschaffungswert. Gehen wir davon aus, dass ein solcher Baum, je nach Größe und Nadeldichte, im Durchschnitt hundert Euro kostet und vielleicht bei guter und staubfreier Lagerung zehn Jahre hält, kostet uns der künstliche Tannenbaum jährlich ganze zehn Euro. Das so eingesparte Geld gegenüber einer kurzlebigen, dafür aber richtigen Tanne kann dann für größere Geschenke ausgegeben werden, um die Wirtschaft in Schwung zu halten. Weitere Vorteile sind, dass der Plastiktannenbaum nicht abnadeln, und wenn er samt Kugeln mal umkippt, auch keine größeren Schäden anrichten kann; ist ja alles aus Plastik und LED-beleuchtet. Auch die lieben Kleinen und allzu neugierige Haustiere sind nicht mehr in Gefahr, sich selbst oder die Weihnachtsstube anzusengen. Mutti kann also unbesorgt in der Küche hantieren und Vati sich dem neuen Handy widmen.

Daneben ist der Plastiktannenbaum noch umwelt- und arbeitsfreundlich, weil keine Entsorgungsprobleme auftauchen und das städtische Tannenbaum-Einsammelteam nach Weihnachten anderweitig eingesetzt werden kann.

Der wichtigste Vorteil aber ist, dass wir durch das Aufstellen eines solchen Baumes das Abholzen der Tannenwälder weltweit einschränken oder sogar verhindern könnten, zum Wohle von Natur und Mensch. Bedenken wir, dass eine Tanne gut zehn Jahre braucht, um sich zu entwickeln, bis sie als Tannenbaum eine „gute Figur“ macht, bei deren Kauf man tief in die Tasche greifen muss, will man sich diesen Luxus leisten, um Familie und Nichtfamilie seinen Weihnachtswohlstand präsentieren zu können.

Die Vorteile, sich einen Plastiktannenbaum anzuschaffen, sind nicht von der Hand zu weisen und entsprechende Überlegungen wert. Die Nachteile liegen im Empfindungsbereich solcher Überlegungen. Was ist nun wichtiger?

Mit einer erdverwurzelten Tanne ziehen alljährlich immer Glaube, Hoffnung und Liebe in meine Weihnachtsstube ein und schenken mir das innere Leuchten und die Kraft zu glauben, zu hoffen und zu lieben, und die Ehrfurcht vor allem Leben zu bewahren.



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