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Holsteinischer Courier

23. Oktober 2017 | 21:29 Uhr

Der muntere Abend des Hundertjährigen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

von
erstellt am 24.Mär.2015 | 13:10 Uhr

Das Buch steht seit 2009 auf den Bestsellerlisten, wurde in mehr als 25 Sprachen übersetzt, erfolgreich verfilmt und füllt nun auch als Bühnenfassung die Theater – so wie am Sonnabend vor mehr als 500 Zuschauern in Neumünster. Diesen Boom haben der schwedische Autor Jonas Jonasson und sein Protagonist „Der Hundertjähriger, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ ausgelöst.

Jonasson schrieb eine Mischung aus Roadmovie und Forrest Gump, aus Kriminalkomödie und Zeitreise durchs 20. Jahrhundert und verliert sich schon mal im erzählerischen Dickicht. Das versuchte Axel Schneider vom Altonaer Theater recht erfolgreich zu lichten, und Regisseurin Eva Hosemann erweckte den Protagonisten und seine Mitstreiter zu quirligem (z. T. überquirligem) Bühnenleben – dargeboten mit hohem Tempo, aber bei drei Stunden Spieldauer auch mit etlichen Längen. Gut und amüsant entwarf Stephan Bruckmeier das Szenenbild in mehreren Spielebenen und mit vielen witzigen Requisiten, auf denen immer draufstand, was drin steckte.

„Der Hundertjährige…“ ist eine skurrile Geschichte: Während im Altersheim einer schwedischen Kleinstadt ein schräges Ständchen auf seinen 100. Geburtstag gesungen wird, steigt der Jubilar Allan Karlsson steifbeinig, aber zielstrebig aus dem Fernster und mitten hinein in sein letztes großes Abenteuer. Das beginnt schon an der nächsten Bushaltestelle und wird im Verlauf der Handlung immer bizarrer, fantastischer, aberwitziger, komischer – aber auch langatmiger und undurchsichtiger. Ein junger Mann bittet Allan, auf seinen Koffer aufzupassen. Das tut er gern, doch als sein Bus kommt, steigt er samt Koffer ein – nicht ahnend, dass sich darin 50 Millionen Kronen befinden. Und schon beginnt eine absurd-komische, teils auch tödliche Verfolgungsjagd. Der greise Antiheld Allan trifft auf höchst eigensinnige Menschen, die seine Freunde werden: auf Julius Jansson (Klaus Peeck), auf die schöne Frau Gunilla (Katrin Gerken) mit dem sehr losen Mundwerk und dem Elefanten Sonja (toll gemacht!) und auf den freundlichen Benny (Andreas Furcht). Verfolgt wird er von einer Gangsterbande, einem überforderten Kommissar (Karsten Kramer) und einem Staatsanwalt (Robert Kotulla), dem die Situation fast den Verstand raubt.

Aber damit nicht genug. Der weitgereiste Allan fabuliert aus seinem langen Leben, hangelt sich in Rückblenden durch die Geschichte und macht die Mächtigen ihrer Zeit zu schrillen Karikaturen. Allan, der Sprengstoffexperte aus Leidenschaft, traf Franco im spanischen Bürgerkrieg, gab Oppenheimer und Stalin den entscheidenden Hinweis zum Bau der Atombombe, ging bei den Diktatoren Kim Jong-Il und Kim Il-Sung in Nordkorea ein und aus, aß und soff mit amerikanischen Präsidenten... Ein Pfundskerl, dieser Allan Karlsson!

Und so verkörperte ihn Franz-Joseph Dieken auch – als nordischen, durch nichts aus der Ruhe zu bringenden Sturkopf. Er und neun Schauspieler in kaum zu zählenden Rollen bereiteten dem applaudierfreudigen Publikum einen sehr munteren Abend.










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