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Holsteinischer Courier

20. August 2017 | 08:45 Uhr

Der mörderische Aufstieg zum König

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Jugendtheaterclub wurde für das Stück „Richard III.“ im Theater in der Stadthalle von den 150 Zuschauern bejubelt

Großes Theater mit dem Jugendtheaterclub: „Richard III. – oder wie werde ich ultra?“ unter der Regie von Maximilian Kornprobst feierte jetzt im Theater in der Stadthalle Premiere. Rund 150 Zuschauer folgten dem mörderischen Aufstieg des egomanischen Richard von Gloster zum König von England.

Das Stück hat das Drama Shakespeares zur Grundlage: Richard ist hässlich und missgestaltet, und er ist „gewillt, ein Bösewicht zu werden“. Er tötet jeden, der ihn aufhalten könnte: Onkel, Bruder und sogar kleine Kinder, die seine Thronfolge bedrohen.

Lessing sagte einst über eine deutsche Fassung des Richard, „er ist unstreitig das größte, abscheulichste Ungeheuer, das jemals die Bühne getragen hat“. Auch in dieser Collage hat Richard einen bösen Charakter – aber nicht nur: „Ich finde, Richard ist ein ganz normaler Mensch, der seinen Weg sucht. Er unterscheidet sich vorrangig von den anderen darin, dass er nicht mehr mittelmäßig sein will. Er will es anders machen als alle“, erklärte Kornprobst die Identifikationsmöglichkeit mit dem Helden.

Einen zweiten Aspekt bringt der Regisseur passend zum Kontext des diesjährigen Mottos des Jugendtheaterfestivals „Karriere und Existenz“ mit ein: „Ich hoffe, dass die Zuschauer auch etwas über ihren Karriereweg nachdenken. Wie bin ich dahin gekommen, wo ich jetzt bin? Wir leben in einer Ellenbogengesellschaft, in der man möglichst mit Anfang 20 studiert, Auslands- und Berufserfahrung haben soll, ein tolles Hobby haben, in sozialen Netzwerken präsent sein soll. Richard ist auch einer, der alles will. Am Ende der heutigen Aufführung kam er mir vor wie im Burnout.“ Richard, das depressive Multifunktionstool als Opfer der Gesellschaft? „Natürlich geht er zu weit. Aus dem Versuch, sich zu individualisieren, wird zynischer Egoismus“ stellte der Regisseur, der auch am Hamburger Schauspielhaus arbeitet, klar. Und noch eine Perspektive fügte die Theatergruppe hinzu: Sie karikierte unsere unterhaltungsgierige Gesellschaft, die kritiklos konsumiert und über alles lacht. Richard wird mit und durch die Medien zum Superstar.

„Sagenhaft! Die Spielfreude der Jugendlichen war spürbar, die waren großartig. Am besten hat mir die Königin gefallen, ihre Wandelbarkeit. Und Richard selbst war natürlich unschlagbar“ befand die Zuschauerin Silke Lenz. In der Tat, jeder einzelne der überwiegend weiblichen Schauspieler war stark. Die erst 17-jährige Sophie Urza bot mit heiserer Stimme, Cowboyhaltung, wirrem Haar und starkem Ausdruck ein Vorbild für größenwahnsinnige Machos. „Das Schwierige an dieser Rolle war die Gnadenlosigkeit und Wut zu spielen“ erklärte sie. Auch Elsa Hartz (19) als Richmond/Lady Anne überzeugte. Schön spöttisch mimte Silvia Nickelweit (18) König Edward, Richards Bruder. Belohnt wurden die Jugendlichen mit riesigen Applaus.

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