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Holsteinischer Courier

19. Oktober 2017 | 11:56 Uhr

Waldorfschule : Der Mensch steht im Mittelpunkt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Seit 25 Jahren gibt es die freie Waldorfschule am Roschdohler Weg. Ein Rückblick.

Neumünster | Seit 25 Jahren gibt es die freie Waldorfschule am Roschdohler Weg. Heute beginnt um 11 Uhr die Auftaktveranstaltung des Jubiläumsjahres mit einem Tag der offenen Tür. Ein Anlass, um schon vorher einen Blick auf die Ideen und die Geschichte der Schule zu werfen.

Die erste Unterrichtsstunde der Waldorfschule in Neumünster begann am Morgen des 6. September 1989, einem Mittwoch, in den Räumen des Kindergartens an der Schwabenstraße. Der damalige Klassenlehrer und Mitbegründer der Schule, Harald Salzmann, erinnert sich: „Ich unterrichtete 19 Erstklässler im Rundbau des Waldorfkindergartens. Der Raum war vielen Kindern vertraut, da sie dort bereits ihre Kindergartenzeit verbracht haben. Unsere Ausstattung war bescheiden, wir hatten Holztische und Stühle. Die Tafel hat ein Vater selber gemacht.“

Später wurden Schulräume im gegenüberliegenden Grover-Haus bezogen. Damals betreuten drei Lehrer eine Schulklasse.

Heute, am Roschdohler Weg, gibt es 30 pädagogische Mitarbeiter und 305 Schüler. Angestoßen wurde die Idee einer Schulgründung von Eltern und einer Interessengemeinschaft. „Es fehlte ganz einfach eine Waldorfschule in der Nähe“, erzählt Ursula Rhoese, Mitbegründerin und Kunstlehrerin, den Ursprung des Vorhabens. Erst seit 2003 befinden sich alle 13 Klassen auf dem großzügigen Gelände in Einfeld. In neun Gebäuden können die Schüler den Waldorfrahmenlehrplan umsetzen: Für den musischen Teil gibt es genügend Platz zum Werken, eine Theaterbühne, ein Atelier, ein Eurythmiegebäude, Räume zum Musizieren und für naturwissenschaftliche Experimente.

Eine derartige qualitative Ausstattung, die über die Anforderungen einer Staatsschule hinaus geht, ist teuer: Der Staat zahlt 80 Prozent der Personalkosten, die bezogen auf die Anzahl der Schüler für eine staatliche Schule ausgegeben werden. Und der Rest? „Betriebskosten bekommen wir nicht ersetzt. Das finanziert sich über den Elternbeitrag, der etwa sechs Prozent des Nettoeinkommens beträgt. Außerdem durch Gehaltsverzicht der Lehrer“, erklärt Geschäftsführer Frank Schade. Keine Verbeamtung und dann noch freiwillige Lohnkürzung, warum macht man das? Die Oberstufenlehrerin im Fach Deutsch, Susanne Krusemark, sagt: „Hier zählt nicht nur Leistung, sondern die Kinder werden in ihrem ganzen Wesen gesehen. Als Lehrer hat man eine bedeutungsvolle Rolle. Die Kinder haben Vertrauen und zeigen mir, wenn sie traurig sind.“

Innere Werte wie Selbstständigkeit und Sozialkompetenz sollen die Kinder bereit für das Leben nach der Schule machen. „Der Mensch darf nicht nur seinen Kopf beanspruchen, die seelische Ausbildung ist ebenso wichtig“, meint der studierte Mathematiker und Physiker Frank Schade. Das Konzept funktioniert: „Wir leben miteinander. Vandalismus oder Schmierereien etwa auf den Schultoiletten gibt es hier nicht“, sagt Schade. Die Schule verstehe sich nicht als hermetisch abgeriegelter ideologischer Zirkel, sondern steht allen Kindern offen. „Bei uns steht der Mensch in der Mitte. Wir haben schon immer Inklusion gelebt, das ist für uns völlig normal“, betont Ursula Rhoese.

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